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Ich liebe Vorlesen!
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Ich liebe Vorlesen!

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Was bin ich froh, dass auch dies nach der Corona-Pause wieder losgegangen ist: das Vorlesen mit den beiden Neffen. Neun und zwölf Jahre alt sind sie, und bis zur Pandemie hab ich sie jahrelang alle zwei Wochen ins Bett gebracht und ihnen vorgelesen, erst Grüffelo und Conny, dann Geschichten von wunderbaren Talenten oder verrückten Tieren. Aber dann kam Corona – und wir haben uns eine ganze Weile nicht mehr drinnen im Haus getroffen. Diesen Sommer ging’s wieder los mit den Abenden mit den Neffen. Und ich hatte, ehrlich gesagt, ein bisschen Angst, sie könnten zu mir sagen: Ach, das mit dem Vorlesen brauchen wir nicht mehr, wir können ja schon selbst lesen und außerdem zocken wir lieber noch ein bisschen. Gott sei Dank: Die Tante darf weiter vorlesen. Und die Neffen scheinen es weiter zu genießen.

Gemeinsam in andere Welten abtauchen

Ich sitze in der Mitte auf dem Bett, der Neunjährige links, der Zwölfjährige rechts, ab und zu kraule ich einen Fuß oder einen Nacken, ich lese aus einem Kinderbuch vor, und wir tauchen gemeinsam ein in eine andere Welt. Ich genieße das sehr, es sind für mich ganz besondere Momente. Ich liebe Bücher, ich liebe meine Neffen, beides zusammen ist einfach wunderbar.

Heute wird in ganz Deutschland vorgelesen

Heute ist Vorlesetag in ganz Deutschland. Die Stiftung Lesen, die Deutsche Bahn und die Wochenzeitung „Die Zeit“ laden dazu ein. Im letzten Jahr haben über eine halbe Million Menschen mitgemacht. An ganz unterschiedlichen Orten wird vorgelesen: in Schulen, Bibliotheken, Kitas, Museen, Zügen oder auch mal in einer Fußgängerzone. Und natürlich gibt’s auch eine Vielzahl von Büchern, die man Kindern vorlesen kann.

Faszinierender Vorlesestoff: die Bibel

Übrigens taugt als Vorlesestoff auch der größte Bestseller der Welt: die Bibel. Die Bibel ist ja quasi eine ganze Bibliothek, in ihr gibt‘s spannende Geschichten, Tragödien, Krimis, Liebesgeschichten, Geschichten mit Tieren. Und meine Neffen wollen daraus tatsächlich immer mal wieder was hören. An einen besonderen Nachmittag mit dem großen Neffen erinnere ich mich, er war damals acht oder neun. Wir hatten in der Kinderbibel ein paar Zeilen über den Auszug aus Ägypten gelesen, und dann hat mein Neffe beschlossen: Das will ich jetzt genauer wissen, das lesen wir in der richtigen Bibel nach. Ich hatte wirklich nicht mehr im Kopf, wie ausführlich das Buch Exodus diesen Auszug erzählt. Allein die Vorgeschichte. Zehn Plagen. Frösche, die vom Nil heraufkommen und in die Häuser eindringen. Stechmücken und Ungeziefer, die über die Ägypter hereinbrechen. Und immer wieder der Pharao, der sagt: Ok, jetzt lass ich euch Israeliten ziehen. Und kaum ist die Plage vorbei, spricht er: Doch nicht, ihr müsst hierbleiben und weiter als Sklaven arbeiten. Mein Neffe konnte nicht genug davon bekommen, über eine Stunde lang haben wir auf dem Bett gesessen und in der Bibel gelesen.

Vorlesestunden, die in Erinnerung bleiben

Es sind Vorlesestunden, an die sich die Neffen und die Tante gerne erinnern. Es verbindet uns. Egal, ob’s um biblische Plagen geht oder magische Tiere: Es ist wundervoll, zusammenzusitzen und in spannende Geschichten einzutauchen. Und das werden wir hoffentlich noch lange zusammen machen.

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