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Herbstgedanken
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Herbstgedanken

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von

Dr. Marco Bonacker,

Theologe
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Heute, mitten in den Herbstferien, sind viele Menschen noch unterwegs. Sie genießen die letzten Sonnenstrahlen im Süden, wandern durch bunt gefärbte Wälder oder machen lange Spaziergänge am Strand. So mancher Tag kann auch im Oktober nochmal so richtig warm werden. Aber nicht selten kündigt sich auch schon der nahende Winter an. Morgens muss sich die Sonne schon durch dichten, kühlen Nebel kämpfen und die Blätter an den Bäumen beginnen zu fallen. In wenigen Wochen, wenn die Uhr umgestellt wird, werden die Tage noch kürzer. 

Natürlich, der Herbst hat seine schönen Seiten, Ernte und Vollendung könnte ich thematisieren. Aber ich verbinde mit dem Herbst auch immer ein Stück Wehmut und Abschied. Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu, Dunkelheit und Kälte setzen sich immer mehr durch. Manchmal stellt sich so etwas wie Endzeit-Stimmung ein. 

Ich weiß zwar: Der nächste Frühling kommt bestimmt! Allerdings ist der Herbst natürlich auch eine Metapher für mein eigenes Leben. Und da bleibt der fade Beigeschmack der Vergänglichkeit und der Endlichkeit bestehen. Im Herbst wird uns unsere Kontingenz, unsere Begrenztheit besonders bewusst. Und spätestens im Herbst unseres Lebens stellt sich die Frage nach dem Frühling und der Hoffnung noch einmal ganz existentiell. Die Bibel thematisiert den Herbst als Jahreszeit kaum.     

Aber das Christentum spielt im Kirchenjahr an vielen Stellen mit den Jahreszeiten, mit Licht und Dunkelheit. Und nicht zuletzt verortete die Kirche die Geburt Jesu, die Ankunft des göttlichen Kindes, in die dunkelste Stunde hinein, in die längste Nacht des Jahres. Die ist zugleich auch in jahreszeitlicher Hinsicht die Wende zu mehr Licht und Leben.

Mit der Ankunft Jesu in der Welt und in meinem Leben, wird die Dunkelheit, die Endlichkeit und auch jeder Herbst-Blues relativiert. In Leben, Tod und Auferstehung Jesu ist jedem Menschen die Verheißung geschenkt worden, jedem Herbst unseres Lebens mit der Hoffnung auf ewigen Frühling zu begegnen. 

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