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Ein verborgenes Leben: Franz Jägerstätter
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Ein verborgenes Leben: Franz Jägerstätter

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Übermorgen feiern die Christen nicht nur das Fest Christi Himmelfahrt, übermorgen ist auch der 21. Mai. Und das ist der Gedenktag von Franz Jägerstätter, der vor einigen Jahren selig gesprochen worden ist.  Am 20. Mai 1907 ist er in Österreich geboren worden, am 21. Mai wurde er getauft.

Kinofilm beleuchtet das „verborgene Leben“

Franz Jägerstätter ist von den Nazis ermordet worden, weil er den Kriegsdienst und den Eid auf Hitler verweigert und so Widerstand geleistet hat. Lange Jahre war sein Name ziemlich unbekannt, und mir ist er nur deshalb begegnet, weil ich bei der katholischen Friedensbewegung Pax Christi aktiv bin. Dort hat die Erinnerung an Franz Jägerstätter viele bestärkt, den Dienst an der Waffe zu verweigern und gewaltfreien Widerstand zu leisten.

Seit Anfang des Jahres dürfte der Name Franz Jägerstätter aber ein bisschen bekannter sein. Denn seine Lebensgeschichte kam unter dem Titel „Ein verborgenes Leben“ ins Kino. Und ich hoffe darauf, dass der Film noch läuft, wenn die Kinos bald wieder öffnen, denn ich konnte ihn noch nicht sehen.

Wehrdienst aus Glaubensgründen verweigert

Anders als viele, die Widerstand gegen Hitler geleistet haben, war Franz Jägerstätter kein adliger Intellektueller, sondern ein österreichischer Bauer. Er gehörte auch keinen Kreisen an, in denen diskutiert wurde. Nein, er ist durch seinen Glauben und das Lesen der Bibel, der Heiligengeschichten und der kirchlichen Schreiben nach und nach zur Überzeugung gekommen: Er kann und will den Eid auf Hitler nicht schwören und muss deshalb den Wehrdienst verweigern. Ein langer, schmerzhafter Prozess.

Mutig „gegen den Strom geschwommen“

Schon 1938 hatte er als einziger im Ort gegen den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich gestimmt. Als er 1940 das erste Mal eingezogen wurde, dachte er noch, er müsse den Befehlen des Staates gehorchen, dann aber war er immer überzeugter: das Kämpfen in diesem Krieg und für dieses menschenverachtende System sind nicht mit seinem Glauben vereinbar.

Eine Weile noch konnte er als „unabkömmlich“ eingestuft werden und bei seiner Familie auf dem Hof und als Mesner in der Gemeinde bleiben. Dann wurde er aber doch zum Kriegsdienst eingezogen. In seinen Gewissensnöten fand er weder beim örtlichen Pfarrer noch beim Bischof Unterstützung. Die einzige, die immer zu ihm hielt, war seine Frau – selbst wenn sie am meisten unter seiner Entscheidung gelitten hat. Sie musste sich zusammen mit den Töchtern dafür heftig beschimpfen lassen.

Späte Anerkennung einer beeindruckenden Haltung

Franz Jägerstätter verweigerte also den Eid und wurde deshalb von Österreich nach Berlin gebracht. Dort sollte er seine Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Als er das nicht tat, wurde er zum Tod verurteilt und starb im August 1943 in Brandenburg durch das Fallbeil.

Nach dem Krieg dauerte es sehr lange, bis Franz Jägerstätter und auch seiner Familie Anerkennung zuteil wurde. Gerade die katholische Kirche, der er sich so treu verbunden wusste, tat sich extrem schwer damit, die Verweigerung des Kriegsdienstes unter Hitler, aber auch die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes in Berufung auf ein christliches Gewissen, gut zu heißen. Erst 2007 wurde Franz Jägerstätter selig gesprochen, da wäre er 100 Jahre alt gewesen.

Dass jemand für seine christliche Überzeugung lieber gewaltfrei in den Tod geht, als dem eigenen Gewissen und Glauben untreu zu werden, das beeindruckt mich auch heute noch schwer.

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