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Die Maus und der Grüffelo oder vom Umgang mit der Angst
Reto Gerber/Pixabay

Die Maus und der Grüffelo oder vom Umgang mit der Angst

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim
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Meinen Kindern habe ich das Buch als sie klein waren, sehr gerne und sehr oft vorgelesen. Es ist die Geschichte von einer kleinen Maus und dem Grüffelo.

Die kleine Maus ist alleine im Wald. Sie hat Angst. Und das zu Recht. Denn die anderen Tiere wollen ihr an den Kragen. Ein Fuchs, eine Schlange und eine Eule laden sie zu sich nach Hause ein, mit dem Ziel, sie zu verspeisen. Die Maus ahnt, das geht nicht gut für sie aus. Deshalb ersinnt sie eine List. Sie macht sich den allseits gefürchteten Grüffelo zunutze und malt ihn mit seinen feurigen Augen und seinen grässlichen Tatzen vor den Augen der anderen aus. Dann sagt sie den anderen Tieren: „Der Grüffelo ist mein Freund. Und der hat ein paar Lieblingsspeisen. Er isst am liebsten Fuchsspieß oder Eule mit Zuckerguss." Die Tiere bekommenAngst. Wenn die Maus so einen mächtigen Freund hat, dann nehmen sie lieber Reißaus und sehen davon ab, die Maus zu verspeisen.

Doch dann begegnet die Maus tatsächlich dem gefürchteten Grüffelo. Mit seinem schrecklichen Aussehen taucht er auf einmal im Wald vor ihr auf. Was nun? Die Maus ersinnt auch dem Grüffelo gegenüber eine List und erklärt ihm: „Alle Tiere im Wald haben Angst vor mir. Das wirst du sehen, wenn wir ihnen begegnen!"

Der Grüffelo und die Maus treffen auf die anderen Tiere. Der Grüffelo sieht das Entsetzen in den Augen der anderen, die die Flucht ergreifen. Das bezieht er auf die Maus. Die scheint ja wirklich gefährlich zu sein. Und da sucht auch er das Weite.

Die Geschichte vom Grüffelo und der Maus ist eine Geschichte, die vom Umgang mit der Angst erzählt. Sie erzählt davon, dass die Maus sich von ihrer Angst vor den anderen Tieren und dem Grüffelo nicht hat lähmen lassen. Sie ist nicht starr geworden vor Angst. Ganz im Gegenteil. Sie hat ihre Kreativität eingesetzt und hat darauf vertraut, dass es für sie einen Weg gibt.

Meine Kinder haben diese Geschichte geliebt. Und ich auch. Weil ich als Erwachsene kenne, was auch Kinder wissen: Wie sehr Angst lähmen kann. Und wie versperrt dann mögliche Wege aussehen können.

Fürchte dich nicht,Ich bin mit dir, in allem, was du tun wirst. Dieser Satz steht in einer Geschichte im Alten Testament.Gott sagt ihn zu Josua, der die Israeliten in das Gelobte Land führen soll. Josua hatte Angst vor seiner großen Aufgabe. Was kann ich schon? Was kann ich denn bewirken? Ja, Angst kann lähmen. Sie kann einen so behindern, dass man nicht mehr weiß, welchen Schritt man machen kann.

Aber manchmal gelingt es auch, die Angst zu überwinden. Fürchte dich nicht, ich bin mit dir in allem, was du tun wirst. Mir hilft der Satz, weil er mich daran erinnert, wie wichtig es ist, Weite zu gewinnen, wenn die Angst lähmt. Und dabei wäre ich gerne so kreativ und phantasievoll wie die Maus.

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