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Der Possibilist
epd-bild / Rolf Zöllner

Der Possibilist

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Mir imponieren Menschen, die nach der Maxime leben: Es ist noch nicht zu spät. Es gibt noch Hoffnung. So ein Mensch ist Jakob Freiherr von Uexküll. Er hat den Alternativen Nobelpreis begründet und wird heute 75 Jahre alt.

Der Deutsch-Schwede Jakob von Uexkuell wuchs in einer politisch wachen Familie auf. Sein Vater war Pazifist und nahm seinem Sohn eines Tages seine Spielzeugpistolen weg – im Tausch gegen wertvolle Briefmarken. Später reiste Jakob von Uexkuell um die Welt und sah Armut und Umweltzerstörung in vielen Ländern. Für ihn war klar: Ich muss etwas tun. Er schlug der Schwedischen Akademie der Wissenschaft vor, weitere Nobelpreise zu vergeben, für Umwelt und Entwicklung.

Als ihm gesagt wurde, das sei nicht möglich, stiftete er selbst einen Preis: den Right Livelihood Award, den Preis für richtige Lebensführung, wie der Alternative Nobelpreis eigentlich heißt. Dazu verkaufte er wertvolle Briefmarken aus seiner Sammlung und konnte das erste Preisgeld auszahlen. Seitdem werden jährlich  Menschen und Organisationen ausgezeichnet, die sich beispielhaft für eine nachhaltige und menschenwürdige Welt engagieren.

Jakob von Uexküll fragt immer: Wo gibt es schon Lösungen? Und wie kann ich diese verbreiten? Zum Thema Klimawandel sagt er: „Wir brauchen eine laute Stimme, die uns schon jetzt vor dem Zorn unserer Enkel warnt, wenn wir nicht radikal die Richtung ändern.“

Ich ertappe mich oft bei dem Gedanken: Was kann ich schon tun? Mir hilft die Einsicht: Ich kann  zuerst einmal meine Haltung zu den Problemen ändern. Uexküll  sagt, er sei kein Optimist, wenn er die aktuellen ökologischen und sozialen Probleme sieht. Aber er sei auch kein Pessimist. Er nennt sich „Possibilist“. Denn er ist überzeugt: Es ist möglich, die Probleme zu lösen, wenn wir wollen und uns an die Arbeit machen. Nicht resignieren, sondern machen. Von anderen lernen. Das ist sein Credo. Und: Wir brauchen dafür eine Vision von einer besseren Welt.

Das erinnert mich an das, was Jesus gesagt hat. Jesus lebte die Vision von einer Welt, in der die Menschen friedlich und gerecht zusammenleben. Er nannte diese Welt das „Reich Gottes“. Und dieses Reich Gottes ist schon angebrochen, wenn Menschen gut mit dem umgehen, was Gott ihnen anvertraut hat. Und teilen, was sie haben. Deshalb forderte Jesus: „Es ist höchste Zeit. Aber es ist noch nicht zu spät. Kehrt um!“ (Markus 1,15)  

Vielleicht tue ich schon einen ersten Schritt zur Umkehr, wenn ich in meinem Lebensstil genügsamer werde. Jakob von Uexküll regt mich an, die Werte zu überprüfen, nach denen ich im Alltag lebe. Er beobachtet: „Viele Menschen setzen einfach voraus, dass unser wichtigster Wert die Habgier ist.“ (Jakob von Üxkuell, Das sind wir unseren Kindern schuldig, Hamburg 2012, 68). Für ihn gibt es einen Wert, der alle Menschen auf der Welt verbindet: die Verpflichtung, unseren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen. Dafür ist es noch nicht zu spät.

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