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Aus dem Blick verlieren - und doch in Kontakt sein
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Aus dem Blick verlieren - und doch in Kontakt sein

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main
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Von meinem Balkon aus kann ich in zwei Straßen hineinsehen, denn ich wohne an einer Straßenecke. Dieser Tage habe ich einen kleinen Jungen beobachtet. Er hat dort am Boden gekauert, war ganz vertieft in seine Beobachtungen. Derweil ist seine Mutter mit dem Kinderwagen weitergezogen, ist um die Ecke gefahren und hat wohl darauf gehofft, dass ihr Großer ihr folgt. Zu sehen war sie für den Sohnemann nicht mehr. Der aber hat sich plötzlich aufgerichtet, um sich geschaut und hat dann sein herzergreifendes „Mama!“ ausgestoßen. Er hatte sie aus dem Blick verloren. Die Mutter aber ist nicht zurückgeeilt, sondern hat - für ihn unsichtbar – laut gerufen: „Hier bin ich!“

Keine Angst - ich bin da

Das Gesicht des Jungen hat sich sofort aufgehellt. Entschieden hat er sich dann aufgerichtet und ist auf die Straßenecke zugelaufen, um dort dann auch der Stimme zu folgen.

Die Mutter hatte das Vertrauen, dass der Sohn ihre Stimme hört und ihr folgen kann. „Hier bin ich!“ Der Ruf hat dem Jungen Sicherheit gegeben. Ich musste an eine Stelle in der Bibel denken. Als Mose unsicher ist, wie er den Auftrag Gottes erledigen kann, nennt Gott sich „Ich-bin-da“. (Genesis 3)

Nicht sehen, aber fühlen

Die Botschaft ist auch für mich immer wieder sehr kostbar: Gott ist da, auch wenn ich manchmal unsicher bin, Fragen habe, in einer Krise stecke. Dann erinnere ich mich: Gut, Gott, dass du da bist! Ich will dir auch jetzt trauen. Sicher, es ist oft schwer, den unsichtbaren Gott zu erkennen. Aber er ist da, manchmal unsichtbar an unserer Seite. Davon bin ich überzeugt. Gott ist mit uns. Das war schon die Erfahrung vieler Menschen im Alten Testament. Und im Neuen Testament wird es auch deutlich: Als der Engel Maria Jesus angekündigt hat, sagte er: „Du sollst ihm den Namen ‚Immanuel‘, das heißt ‚Gott mit uns‘, geben.“(Matthäus 1,23)

Durch Jesus ist Gott für uns "greifbar"

Dieser Jesus hat die menschliche Seite des Lebens erfahren – und auch erlitten. Und damit hat er uns Gott tatsächlich ein wenig näher gerückt. Er hat Gott ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Und sein Name „Immanuel“ macht klar: Gott ist da. Gott ist mit uns. Gott weiß um uns – auch, wenn wir ihn manchmal fern und unerreichbar wähnen.

Das gibt mir immer wieder Kraft und Sicherheit. Und das hilft mir, mich bewusst aufzurichten, wenn mich gerade was niederdrückt. Ich kann ihn anrufen – und er ruft zurück, auf seine Weise.

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