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Dolmetscher sein
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Dolmetscher sein

Pater Andreas Meyer
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Pater Andreas Meyer

„Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Gleich am Anfang des Bibeltexts (Joh 12, 21b), der heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird, steht diese Bitte. Menschen, deren Muttersprache Griechisch war, hatten Schwierigkeiten, mit Jesus in Kontakt zu kommen. Der sprach nämlich aramäisch. So gerieten sie an die Apostel Philippus und Andreas. Die konnten beide Sprachen sprechen, weil sie an der Grenze zwischen den beiden Sprachgebieten aufgewachsen waren. Sie haben dann den Kontakt mit Jesus hergestellt.

Das sieht zunächst nach einer ganz normalen Alltagsgeschichte aus. Wenn Menschen verschiedene Sprachen sprechen, brauchen sie einen Dolmetscher. Für mich steckt da aber noch mehr drin. Philippus und Andreas hatten schon einmal für andere den Kontakt mit Jesus hergestellt. Die warteten darauf, dass der Messias kommt. Philippus und Andreas konnten ihnen sagen: Wir haben ihn gefunden. Es ist Jesus aus Nazareth. Und sie stellten für sie den Kontakt mit Jesus her. Und das hat ihr Leben verändert. Ohne die beide, Philippus und Andreas wäre das wohl nicht so gewesen. Die beiden haben als Dolmetscher eine ganz wichtige Aufgabe gehabt.

Dolmetscher sein und Kontakt herstellen – das sind für mich als Seelsorger im Krankenhaus ebenfalls wichtige Dienste. Immer wieder treffe ich Menschen, die nicht wissen, wie sie an Jesus heran kommen können. Sie meinen, das ist nur möglich, wenn sie die Gebete der Kirche gelernt haben. Oder sie merken: die Gebete können ihre Situation nicht ausdrücken. Ich mache ihnen dann Mut: „Nutzen Sie doch ihre eigenen Sprache! Formulieren Sie einfach mal selbst ein Gebet!. Sie können Jesus mit dieser Sprache ansprechen. Das kommt bei ihm an. Manchmal helfe ich ihnen dabei, indem ich mit ihren Worten ein Gebet spreche. Und ich erlebe, wie sehr sie berührt sind. Sie sind dann überrascht und bewegt, weil sie nicht gedacht hätten, dass das so geht.
So kann ich heute Dolmetscher sein und Kontakt mit Jesus herstellen.

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