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Vorschriften sind für den Menschen da!
Bildquelle: g.p./Pixabay

Vorschriften sind für den Menschen da!

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg
Ein Beitrag von Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg, Evangelischer Pfarrer, Issigheim / Bruchköbel
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Es ist Mittagszeit. Im kleinen Schwimmbad des Hotels ist nicht viel los. Gerade einmal drei ältere Besucherinnen, die gar nicht schwimmen. Sie unterhalten sich in einer Ecke hinten im Becken. Mein Sohn, elf Jahre alt, ist begeistert: Platz für uns!

Frisch geduscht springt er schnell hinein und freut sich.

Da tönt es sofort von hinten aus der gegenüberliegenden Ecke: „Hallo! Halloo! Hallooo! Gehst du denn schon in die Schule? He? Kannst du denn nicht lesen? Da, das Schild! So was gibt’s ja nicht! Springen vom Beckenrand verboten!!“

Mein Junior ist erschrocken über das unfreundliche Geschimpfe. Er taucht lieber erst einmal unter. Dann schaut er mich traurig-fragend an.

Ich zucke mit den Achseln und beruhige ihn: „Ja, das steht da schon. Aber du hast eigentlich nicht gestört. Und tief genug ist das Wasser allemal.“ Ich sehe, wie sein Blick zu dem mitgebrachten Wasserball wandert. Enttäuschung steht in seinen Augen. Das wird dann ja wohl nix. Ballspielen auch verboten.
Dabei ist das Becken praktisch menschenleer.
„Aber Papa“, sagt mein Sohn bedauernd zu mir: „Du wirst ja leider nichts Verbotenes tun, oder? Du bist ja Pfarrer und musst dich an Gebote halten.“
Ich denke nach. Mein Sohn soll schon lernen, dass es sinnvoll ist, sich an Vorschriften zu halten. Die Vorschrift ist ja hier ein Schutz, wenn das Becken voll ist und Menschen durch Sprünge oder Bälle gefährdet werden.
Aber er hat sich so gefreut. Und Platz ist mehr als genug. Da fällt mir etwas ein, was Jesus einmal gesagt hat: Vorschriften sind für den Menschen da, nicht der Mensch für die Vorschriften!
D.h.: Vorschriften sollen uns helfen, gut miteinander zu leben. Aber sie sollen nicht die Lebenslust eindämmen, wenn keiner gefährdet ist.
Das sage ich meinem Sohn, nehme den Ball und spiele mit ihm. Sollten die älteren Damen sich darüber ärgern, bitte ich sie um Verständnis. Der Junge muss sich doch mal austoben!

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