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Von Herzen
Bild: Oswaldo Gerolin Filho Padre Oswaldo/Pixabay

Von Herzen

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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"Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist". Das ist die Jahreslosung für 2021. Barmherzigkeit ist im Christentum die herausragende Eigenschaft Gottes. Wie übrigens auch im Islam und im Judentum. Sie ist nicht nur ein Aspekt, sie ist das Wesen Gottes selbst. Jesus erzählt im Gleichnis von Gott als dem barmherzigen Vater, der den verlorenen Sohn mit offenen Armen aufnimmt und ihm ein Fest bereitet. (Lukas 15, 11-32) Und er fordert uns auf, dass wir barmherzig sind, wie Gott barmherzig ist.

Spannend ist: Das Wort Barmherzigkeit gibt es in unserer Sprache erst seit dem 4. Jhd.! Man musste es erfinden, weil es kein Wort gab für das, was in der Bibel von Gott gesagt wird: Dass er barmherzig und gnädig ist. Geduldig und von großer Güte.

Dabei hat man zwei Worte zusammengenommen. "Barm" und "herzi".
"Herzi" – klar - ist das Herz. „Barm“ bedeutete damals "Mutterschoß". Barmherzigkeit hat also ihren Ort im Herzen – da, wo unser Gefühl ist. Und im Bauch. Dort sitzt unsere Vitalität und Lebenskraft. Das heißt: Wir sollen mitfühlen und unsere ganze Kraft einsetzen für alle, die Hilfe brauchen.

Bei Barmherzigkeit geht es also nicht nur um Gefühle. So fängt es vielleicht an: Ich sehe jemanden, der in Not ist und fühle mit, wie es ihm geht. Doch beim Mitleid bleibe ich nicht stehen. Ich erbarme mich. Nehme mir Zeit. Höre zu. Spende Geld. Packe mit an– oder was ich sonst tun kann, um die Not zu lindern.

Die Bibel meint: Barmherzigkeit ist das Größte. Sie setzt allen anderen Eigenschaften, allen anderen Lebenshaltungen, die Krone auf. An einer Stelle heißt es: "Der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit".

Diese Krone ist uns aufgesetzt. Jetzt schon im 2. Jahr der Corona Pandemie. Eine Krone gegen Corona. Menschen warten darauf, dass wir unser Herz öffnen und unsere Kraft einsetzen, um zu helfen. In der Familie, in der Nachbarschaft und in der Ferne. Bei den fernen Nächsten, von deren Not wir wissen.

Barmherzig sein möchte ich aber nur nicht mit anderen, sondern auch mit mir selber. Mit meinem Körper. Mit meinen Schwächen. Mit meiner Lebensgeschichte. Mich anschauen mit einem liebevollen Blick. Barmherzig - wie Gott barmherzig ist. Ich finde, das ist ein gutes Motto für das neue Jahr!

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