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Musik ist Religion für mich
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Musik ist Religion für mich

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Ein oranges Tuch um die dichten schwarzen Locken gebunden, weit ausgestellte Jeans. Die weiße Gitarre hält er linkshändig, den Vibrato-Hebel traktiert er wild mit linken Hand. Jimi Hendrix. Heute vor 50 Jahren ist der geniale Musiker gestorben.

Er war erst 27 Jahre alt, doch für viele ist und bleibt er der beste Gitarrist der Welt.

Jimi Hendrix und sein neuer Sound

Den eigenen Gesang mit einer Gitarre begleiten, das können viele. Als spielte er zwei Gitarren gleichzeitig hat Hendrix dazu noch in einem nie dagewesenen Sound improvisiert. Er baut Verstärker hintereinander, um bewusst neue Rückkoppelungseffekte zu erzielen. "Electric Church", elektrische Kirche nennt er das.

„Musik ist Religion für mich“, hat Hendrix gesagt, „auch im Jenseits wird es Musik geben“.

Jimi Hendrix und die US-amerikanische Nationalhymne

Weltbekannt, vielleicht der Höhepunkt seiner kurzen Karriere war seine Version der US-amerikanischen Nationalhymne beim Woodstock Festival 69. Mit den vielen Licks und Fills, die Hendrix in die Melodie eingebaut hat, hat er die Hymne so verfremdet, dass darin Maschinengewehrsalven zu hören waren, Hubschrauberangriffe und Bomben. Ein gitarristisches Statement gegen den Krieg der USA in Vietnam.

Musik ist ein wichtiger Zugang zu Religion

Musik kann weit über das Vorfindliche hinausweisen, sie kann Religion sein, wörtlich eine Rückbindung an Gott. Auch für viele Menschen heute ist Musik ein wichtiger, manchmal der einzige Zugang zur Religion. „Musik ist gesteigerte Sprache, der direkteste Weg in die Seele. Sie ist das Ausdrucksmittel für den seelischen Ernstfall, in dem das Wort nicht mehr ausreicht.“ (Jan Roß Bildung, eine Anleitung, 304)

Wand an Wand mit Georg Friedrich Händel

Zwei Jahre vor seinem Drogentod heute vor 50 Jahren ist Jimi Hendrix nach London gezogen. Ein kleines Apartment in der Brook Street 23 sollte sein Rückzugsort werden in diesen wilden Zeiten. Nebenan, Brook Street 25, war schon ein Kapitel zum Thema „Musik ist Religion“ geschrieben worden. Wand an Wand mit Hendrix, wenn auch durch zweieinhalb Jahrhunderte getrennt, hatte dort Georg Friedrich Händel gewohnt. „Musik ist Religion für mich“, das stimmt in Händels Oratorien allemal.

„Musik ist Religion für mich“

Was für Hendrix-Fans „Hey Joe“ oder „Purple Haze“ ist, ist für Händelliebhaber vielleicht der Hallelujachor aus dem „Messias“. „Musik ist Religion für mich, auch im Jenseits wird es Musik geben.“ Wie sich Jimi Hendrix das wohl vorstellt hat? Eine Jam Session der Musiker aus der Brook Street?

Händel am Cembalo, Hendrix an der Gitarre? Ehrlich, das würde ich gerne hören.

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