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Maria - das weibliche Antlitz Gottes
Bildquelle: pixabay

Maria - das weibliche Antlitz Gottes

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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Von Maria, der Mutter Jesu, gibt es viele Darstellungen: Maria als Mutter mit Kind, als Königin, als weinende Frau, die ihren toten Sohn Jesus im Arm hält; in fast jeder katholischen Kirche steht eine Marienfigur. Es gibt auch immer wieder eher ungewöhnliche Darstellungen von Maria. Zum Beispiel in Augsburg in der Kirche St. Peter: Da hängt ein Marienbild aus dem 18. Jahrhundert von Johann Schmidtner. Es zeigt Maria als Knotenlöserin. Maria steht in der Mitte des Bildes und hält ein weißes Band in ihren Händen. Auf der einen Seite reicht ihr ein Engel das Band, das ganz viele Knoten hat. Und auf der anderen Seite steht ein Engel, der dieses Band ganz ohne Knoten, glatt und fein, in Empfang nimmt.

Maria hat über die Jahrhunderte hinweg die Kunst inspiriert

Eine wirklich ungewöhnliche Darstellung von Maria hat Max Ernst 1926 gemalt. Das Bild heißt: Maria züchtigt das Jesuskind. Es zeigt Maria, das Jesuskind liegt auf ihren Beinen und sie schlägt ordentlich auf seinen Po ein. Jesus verliert bei dieser Aktion sogar seinen Heiligenschein.

Maria hat über alle Jahrhunderte hinweg immer wieder die Kunst inspiriert. Genauso, wie sie immer und überall fromme Männer und Frauen bewegt und berührt hat.

Maria „vervollständigt“ das offizielle Gottesbild

Warum wurde Maria eigentlich so beliebt? In der Bibel kommt sie kaum vor. Es hat vermutlich auch damit zu tun: Das offizielle Gottesbild wird von vielen als zu einseitig, zu männlich erlebt. Da steht Maria für die weibliche Seite Gottes. Auch wenn sie nach katholischer Glaubenslehre nicht göttlich ist – von den Gläubigen wurde sie immer wieder so verstanden. Im jüdischen Museum Frankfurt gibt es dazu aktuell eine Ausstellung: „Die weibliche Seite Gottes“ heißt sie. Und da werden auch verschiedene Mariendarstellungen gezeigt.

Maria versteht und stärkt mich

Maria steht auch dafür: Sie ist eine von uns, sie hat selbst Kinder bekommen, wurde von ihrem Sohn barsch zurückgewiesen, auch dazu gibt es ein paar Erzählungen in der Bibel. Und schließlich hat sie erleben müssen, wie ihr Sohn stirbt, eine ganz furchtbare Erfahrung für Eltern, zu allen Zeiten. In all dem ist sie den Menschen sehr nahe, ihrer Freude und ihrem Leid. Das hilft. Ich fühle mich verstanden, fühle Beistand und Unterstützung. Die Verbundenheit zu Maria lässt mich gestärkt ins Leben gehen. Maria, die Knotenlöserin, nimmt mir die Arbeit nicht ab. Aber der Glaube an ihren Beistand macht mich ruhig und gelassen. Und da ist ja auch schon viel gewonnen!

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