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Kalter Krieg und göttliche Intervention
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Kalter Krieg und göttliche Intervention

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

George Lee Butler, ein amerikanischer General, war in der Zeit von Präsident Bush, dem älteren, für das gesamte Atomarsenal der USA verantwortlich. Vor kurzem hat Butler seine Memoiren veröffentlicht.

Er erzählt von mehreren sehr kritischen Situationen, in denen es beinahe zu einem Atomkrieg gekommen wäre. Mehr als einmal hat nicht viel gefehlt, dann wäre aus dem Kalten ein Heißer Krieg geworden.

Vor dreißig, vierzig Jahren habe ich gegen Leute wie General Butler demonstriert. In ganz Europa gingen Menschen auf die Straße, um gegen Atomwaffen zu protestieren. Die Neutronenbombe war erfunden worden, und nach dem sogenannten NATO-Doppelbeschluss wurde weiter aufgerüstet. Dadurch wuchs eine neue Friedensbewegung auf Millionenstärke an.

War ich als Friedensbewegter damals naiv? Für ein stabiles Gleichgewicht haben doch gerade die großen Rüstungsanstrengungen im Westen wie im Osten gesorgt. Das hielt man denen entgegen, die Abrüstung forderten. Und stimmt das nicht auch? Der Pentagon-General Butler schreibt in seinen Memoiren, aus welchen drei Gründen es in diesen Jahrzehnten seiner Meinung nach nicht zu einem Atomkrieg gekommen ist: „Wir sind dem Kalten Krieg ohne Nuklearkatastrophe entkommen aufgrund einer Mischung von Geschick, Glück und göttlicher Intervention“, so schreibt er. Und das göttliche Eingreifen, so der General weiter, hätte dabei den größten Anteil gehabt.

Natürlich bin auch ich Gott zutiefst dankbar dafür, dass ich mein Leben seit Jahrzehnten in Frieden leben kann. Aber wir wissen zugleich, dass wir uns nicht auf die „Intervention“ Gottes verlassen dürfen. Es war und ist die Verantwortung der Menschen, Frieden zu schaffen und zu bewahren. Im Sudan, in Syrien, wo auch immer.

Gott greift nicht ein, sondern wartet auf unser Tun. Darin wird er bei uns sein. Jesus sagt: „Selig sind, die Frieden machen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)

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