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Jemanden Gutes tun - mit Respekt
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Jemanden Gutes tun - mit Respekt

Anette Kassing
Ein Beitrag von

Anette Kassing,

Evangelische Stadtkirchenpfarrerin, Marktkirche Wiesbaden
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Heute, am Gründonnerstag, erinnere ich an eine alte Geschichte, die im Zusammenhang mit dem letzten Abendmahl von Jesus erzählt wird, ganz am Rande.  Sie handelt von einer Frau, die den Mut hatte, sich ehrlich zu zeigen.

Jesus sitzt mit seinen Gefährten in einem Haus, sie essen, sie trinken, sie debattieren, vielleicht über die Zukunft, wie es mit Jesus weitergehen soll. Eine Debatte unter Männern. Plötzlich platzt eine Frau hinein, holt ein Fläschchen mit kostbarem Öl hervor und gießt das teure, lecker duftende Öl über Jesus aus. Sie salbt ihn. Das war damals eine Geste, die nur ganz besonderen Menschen zustand: Könige wurden gesalbt. Ohne Worte sagt sie: „Für mich bist DU der König.“

Sofort geht bei den Jüngern eine Debatte los, voller Entrüstung; dass sie es wagt, in ihre Männergesellschaft reinzuplatzen! Und dann: „so teures Öl! So viel wie fast ein ganzes Jahresgehalt! Was für eine Verschwendung! Davon hätte man so vielen Armen helfen können!“ Aber Jesus nimmt sie in Schutz und verteidigt sie: „Lasst sie in Ruhe. Sie hat mir gut getan. Arme habt ihr immer bei euch, mich nicht.“

Mich fasziniert, was diese Frau sich traut!

Sie möchte offensichtlich Jesus nah sein und ihm Gutes zu tun. Dafür bricht sie mit allen Konventionen und Benimmregeln- und stört die Runde der Männer. Dann gibt sie alles, was sie je angespart hat, was ihr die Zukunft sichern könnte… und sie salbt Jesus mit dem teuren Öl. Und Jesus lässt sich berühren und nimmt sie in Schutz.

Ja, ich weiß: Berührung kann auch übergriffig sein, und es ist höchste Zeit, dass Missstände aufgeklärt und bestraft werden: ungebetene Berührung - sexueller Missbrauch - finanzielle Verschwendung. Um all das ging es in der Geschichte nicht. Für mich ist diese Frau ist ein Beispiel: Sie hat sich ehrlich gezeigt. Ihr Herz sprechen lassen. Das will ich mir abschauen. Nicht nur dauernd die Zukunft planen und debattieren- auch mein Gegenüber im JETZT sehen. Und, wenn es passt, ihm oder ihr Gutes tun.

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