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Zwei Söhne
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Zwei Söhne

Dr. Marco Bonacker
Ein Beitrag von

Dr. Marco Bonacker,

Theologe
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"Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat." So beginnt das Evangelium nach Lukas, der Mann, der diesen Text geschrieben hat. Heute feiern Christen seinen Gedenktag. Lukas ist sich also ganz bewusst, dass es nicht der erste Bericht über das Leben und Wirken Jesu ist, den er schreibt.

Was wissen wir über diesen Mann, der trotzdem den Versuch unternommen hat, der Nachwelt ein Bild von Jesus zu machen? Nun, vieles kann der Leser aus seinem Evangelium selbst erschließen. Für seinen Text nutzte Lukas die bereits vorliegenden Evangelien des Markus und des Matthäus. An vielen Stellen aber wird er genauer und plastischer. Besonderes Augenmerk legt er etwa auf die Weihnachtsgeschichte, die mir besonders vertraut ist und auf die Kindheitsgeschichte Jesu. Auch die Gottesmutter spielt eine große Rolle bei Lukas und man kann vermuten, dass sie sich kannten. Die Tradition der Kirche spricht davon, dass Lukas der Erste war, der ein Bild von ihr anfertigte. Er gilt damit als Vater der Ikonenschreiber. Dazu passt eine weitere Auffälligkeit: Die vielen Heilungsgeschichten, die er beschreibt, lassen die Vermutung zu, dass er selbst Arzt gewesen ist. Ob er ein Begleiter des Paulus war, ist umstritten. Der Tradition nach ist Lukas jedenfalls als Bischof von Theben um das Jahr 63 gestorben.

Was mich an seinem Evangelium besonders berührt, ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Es kommt nur bei Lukas vor und spricht in einer erschütternd klaren und verständlichen Bildsprache vom Vergebungswillen des Vaters. Zurecht heißt es deswegen in neueren Übersetzungen auch das Gleichnis von der Liebe des Vaters. Andere Übersetzungen sprechen auch vom Gleichnis von den zwei Söhnen. Schließlich geht es nicht nur um den verlorenen Sohn, der voll Reue nach Hause zurückkehrt. Sondern auch um den zweiten Sohn, der brav zu Hause bleibt und seine Arbeit tut. Und bei diesem zweiten Sohn bleibe ich immer wieder hängen. Er freut sich nicht über die Rückkehr seines Bruders, sondern fragt sich nach seiner Rolle. Er fühlt sich nicht gerecht behandelt und er wird sogar zornig:

"Jetzt feierst du auch noch diesen Kerl, der dein Vermögen durchgebracht und ich, der immer für dich gearbeitet hat und für den du nie eine Party ausgerichtet hast, soll mich auch noch freuen?"

Die Antwort des Vaters ist bei Lukas ein Bekenntnis zu beiden Söhnen und zeigt für beide gleichermaßen Verständnis: "Mein Kind", sagt er zum zornigen Sohn, "du bist immer bei mir und was mein, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen, denn dein Bruder war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden worden." Die Reaktion des zornigen Bruders überliefert Lukas uns nicht. Das Ende ist deswegen offen und damit eine Frage auch an die Leser des Evangeliums.

Wo liegen meine Sympathien, mit wem kann ich mich identifizieren? Kann ich mich über die Umkehr des reuigen Sohnes freuen? Und wie glaube ich, ging die Geschichte aus?

Heute, am Gedenktag des Heiligen Lukas, ist ein guter Tag, sich das Gleichnis vom verlorenen Sohn noch einmal genauer anzusehen.

 

 

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