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"Ich lass für dich das Licht an"
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"Ich lass für dich das Licht an"

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Johannes Strate von der Band Revolverheld singt: „Ich lass für dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist. Ich schaue mir Bands an, die ich nicht mag. Ich geh mit dir in die schlimmsten Schnulzen. Ist mir alles egal, Hauptsache du bist da.“ Ich mag das Lied, frage mich aber immer: Ist das jetzt der größte Liebesbeweis oder gibt der Typ sich selbst völlig auf? Mit dem anderen die Jacke teilen. Für den anderen zum Kiosk rennen ob Nacht oder Tag – das ist romantisch. Aber aus Liebe meine Lieblingsplatten verbrennen, Bands hören, die ich nicht mag, und die schlimmsten Schnulzen schauen?

In der Bibel steht: „Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ (1. Korinther 13) Hartes Programm! Das fällt ja schon am frühen Morgen schwer, wenn der andere seine Kleider mal wieder in der ganzen Wohnung verteilt hat. Heißt lieben, alles hinnehmen und ertragen ohne Murren und Knurren?

Natürlich nicht. Es gibt einen Unterschied zwischen sich hingeben und sich aufgeben. In der Bibel bedeutet lieben: Ich rechne nicht auf – das habe ich für dich getan, das hast du für mich getan. Sondern ich tue es einfach für dich, weil ich dich liebe. In den großen romantischen Momenten ist das einfach, wenn man zusammen die Nacht durchgefeiert hat und sich auf dem Nachhause-Weg eine Jacke teilt. Schwieriger wird’s im Alltag, wenn man sich über die Haare des anderen im Waschbecken aufregt.

Dann hab ich die Stimme der Bibel im Ohr: „Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ Soll heißen: Lohnt es sich, dafür einen Streit anzufangen? Ja, es gibt eben Momente, da ist die Liebe in Gefahr. Da nerven die zurückgelassenen Haare, weil sie ja auch ein Zeichen sind, dass der andere zu wenig Rücksicht auf mich nimmt. So fühlt sich das zumindest an. Dann lohnt sich auch mal eine Auseinandersetzung, weil sie auch Liebe und Wertschätzung ausdrückt. Eben dieses wunderbare Gefühl: „Hauptsache, du bist da.“

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