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Heimat
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Heimat

Carmen Jelinek
Ein Beitrag von

Carmen Jelinek,

Evangelische Dekanin, Kirchenkreis Kaufungen
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„Wo ist denn Ihre Heimat?“, werde ich immer mal wieder gefragt, und dann druckse ich etwas herum und sage: „Ich kann Ihnen gar keinen Ort nennen. Ich bin schon sooft umgezogen. Aber Heimat ist für mich dort, wo die Menschen sind, die mir nahe stehen.“
Für mich ist Heimat nichts Festes. Heimat kann und will das ganze Leben hindurch immer wieder erlebt, gefunden, verlassen, vielleicht auch verloren und wieder neu gefunden werden.
Heimat bedeutet: Menschen, Wohnorte, Haus oder Wohnung, Beruf;
Heimat meint Sprache, Musik, Land oder Landschaft, den eigenen Kontinent und meint auch: Innere Heimat, geistige Heimat, Heimat im Glauben, das Vertrauen, dass es eine Heimat in der Ewigkeit gibt, ein Platz, wo ich richtig bin, hingehöre, mich wohlfühle, wo ich Geborgenheit, Wertschätzung und Vertrauen erfahre.
Heimat ist etwas, das alle Sinne berührt, wenn ich mich erinnere.
Heimat riecht – vielleicht nach warmem Hefekuchen und nach frischer Bettwäsche.
Heimat schmeckt – nach Kaffee oder Bratengeruch. Bei jedem Menschen anders.
Heimat klingt – nach dem Abendlied der frühen Kindheit, nach der ersten eigenen Schallplatte oder CD, nach dem Klang der Kirchenglocken oder den vertrauten Geräuschen eines Motors.
Heimat, das ist für mich nicht nur eine innere Bindung an die Menschen an meiner Seite. Heimat ist für mich auch meine Bindung an Gott, dem ich mein Leben verdanke. 

Ich meine, wer Heimat hat in Gott, wer in seiner Seele gut verwurzelt ist in Gott, wer innere Geborgenheit fühlt, wer weiß, von Gott bin ich immer gewollt, geliebt, gehalten, im Leben und nach meinem Tod und jeden einzelnen Moment hier und jetzt, jede Stunde, jeden Tag und jedes Jahr – was kann denjenigen ernsthaft beunruhigen?
Mein Glaube gibt mir Halt. In unsicheren Zeiten erlebe ich allerdings auch Erschütterungen. Ich komme mir vor wie ein flachwurzelnder Baum, der leicht vom Wind umgeworfen werden kann, und wünschte mir noch tiefere Wurzeln, die mich halten. Ich denke daran, dass ein Baum seine Wurzeln nach Wasser ausstreckt. 
Deshalb bedeuten mir folgende Worte aus dem Johannesevangelium sehr viel:

Jesus sagte: Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben fließt (Johannes 4, 14).

Mir gefällt dieses Bild sehr gut. Die Vorstellung, in mir ist eine Kraft, die von Ewigkeit her kommt und zur Ewigkeit hin fließt. Da ist eine Kraft, die mich am Leben hält. Die größer ist als ich selbst es bin, die lässt mich Vertrauen wagen und gibt mir Mut, mich auch immer wieder neu zu beheimaten, an verschiedenen Orten, mit verschiedenen Menschen, in verschiedenen Lebensumständen.

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