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Grüßen

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg
Ein Beitrag von

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg,

Evangelischer Pfarrer, Issigheim / Bruchköbel
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Einen guten Abend wünsche ich Ihnen. Und Ihnen. Und Ihnen auch, also Ihnen allen, die Sie gerade zuhören. Seien Sie gegrüßt! Guten Abend!

Also, das mit dem Grüßen ist ja so ein bisschen aus der Mode gekommen.

Gerade da, wo es eher anonym zugeht. In großen Städten zum Beispiel oder in manchem Neubaugebiet. Manchmal weiß man ja auch nicht so genau, ob man den jetzt kennt und dann kommt man sich schon irgendwie blöd vor, wenn man grüßt und der andere starrt nur ratlos zurück.

Kinder in der Pubertät, die wollen am liebsten überhaupt nicht grüßen. Das habe ich auch gehasst, wenn meine Mutter dann so halb hinter mir stand und mich gedrängt hat: jetzt sag doch mal freundlich „Guten Tag“.

Und doch: das Grüßen ist wichtig.

So wichtig, dass selbst die Engel in der Bibel meist genau damit anfangen, wenn sie einem Menschen begegnen. Mit einem „Sei gegrüßt“ und „Fürchte dich nicht“.

Wenn ich einen Menschen grüße, dann steckt dahinter mehr als oberflächliche Höflichkeit. Wenn ich ihm über die Straße zuwinke oder bei der Geburtstagsfeier die Hand reiche, dann folge ich der Spur der Engel.

Dann steht dahinter: Ich sehe dich. Ich erkenne dich an – und fürchten musst du dich auch nicht vor mir. Wer grüßt, der erkennt die Bedeutung, die Würde seines Gegenübers an.

„Den grüß ich nicht mehr“ – das ist dann eigentlich ein richtig schlimmer Satz. Er spricht dem Anderen ein Teil seiner Würde ab. Als wäre er Luft. Als würde er nicht existieren.

Das hat keiner verdient. Auch keiner, den ich nicht mag oder der gemein zu mir war. Zu einem kurzen Gruß sollte es immer noch reichen.

Auch für den auf der anderen Straßenseite, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn nun kenne oder nicht. Einen guten Abend kann man jedermann wünschen.

Und den wünsche ich Ihnen heute ganz besonders.

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