Ihr Suchbegriff
Essen in Deutschland
Bildquelle Pixabay

Essen in Deutschland

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Wir hatten Besuch aus Israel: Eyal und seine Tochter Shani. Shani ist 15 und zum ersten Mal in Deutschland. Natürlich wollten wir unseren Freunden die Zeit bei uns so angenehm wie möglich machen. Auch mit dem Essen haben wir uns auf sie eingestellt.

Eyal sieht das mit den jüdischen Speisevorschriften eher locker, aber Shani isst auch im Ausland koscher wenn es irgendwie geht. „Nur wenig Fleisch“ hat sie gesagt, als wir sie vorher gefragt haben. So kann sie die jüdischen Vorschriften für das Fleischessen leichter einhalten: Koscher, also erlaubt, ist nur das Fleisch von Tieren, die gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind. Schweinefleisch fällt also aus.

„Du sollst das Zwicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen“ (2. Mose 23,19). Aus diesem Satz im Alten Testament hat die jüdische Tradition außerdem die Regel entwickelt: Fleisch und Milchprodukte werden nicht zusammen gegessen. Für Shani heißt das: Rumpsteak nur ohne Kräuterbutter, keine Sahne in der Sauce Bolognese, kein Cheeseburger … Schalentiere sind generell nicht erlaubt. Zuhause in Israel ist das für Shani kein Problem, bei ihrer Mutter kommen die einfach nicht auf den Tisch. Bei der Vorspeise im Restaurant in Frankfurt hat sie die Garnelen ganz selbstverständlich weggelassen. Shani isst sehr bewusst; sie weiß besser als viele Jugendliche bei uns, was sie isst und wie es zubereitet ist. Mich hat das beeindruckt.

Ist für Christen egal, was sie essen? Das Neue Testament erzählt: Der Jünger Petrus hat eine Vision und lernt: Gott hat alle Tiere als rein erklärt. (Apg 11) Daher kennt die christliche Tradition zwar keine allgemeinen Speisevorschriften, aber das Gebot, achtsam mit der Schöpfung, und das heißt auch mit Tieren und Pflanzen umzugehen.

Deshalb gibt es auch für uns gute Gründe beim Einkaufen und Essen genau hinzusehen: Wir können fragen: Wo ist dieses Gemüse angebaut worden und wie? Wie weit ist unser Fleisch transportiert worden und wie haben die Tiere gelebt? Sind die Bauern angemessen bezahlt worden? Mich jedenfalls regt mein christlicher Glauben dazu an, barmherzig zu sein gegenüber allem Lebenden und die Schöpfung Gottes zu bewahren und das hat auch mit dem Essen zu tun.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren