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Ein Wal, ein Banker und viel Solidarität
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Ein Wal, ein Banker und viel Solidarität

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim
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Ich bin ja eigentlich skeptisch, wenn ich höre: „Da passt ein Buch perfekt zur aktuellen Lage und kann weiterhelfen.“ Ich hatte oft dann beim Lesen den Eindruck: Da hat ein Autor was mit heißer Nadel gestrickt. Oder Marketingleute biegen ein älteres Buch so zurecht, dass es zum Zeitgeist passt.

Aber jetzt hab ich wirklich begeistert ein Buch gelesen, das viele mit Blick auf die Corona-Krise als „Roman der Stunde“ bezeichnen: „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger. Es kam schon 2015 heraus, liest sich aber wie ein aktueller Kommentar zur Corona-Krise. Und, das ist das Schöne: wie ein Kommentar, der gut tut und motiviert. So hab ich es jedenfalls empfunden. Obwohl ich auch zugebe: Ich mag durchaus „Geschichten fürs Herz“ und reagiere nicht gleich mit der „Das ist Kitsch“-Keule, wenn sich eine Wohlfühl-Atmosphäre beim Lesen einstellt. 

Die Hauptfigur war mir sofort sympathisch: Das ist der Londoner Bankangestellte Joe Haak. Ihn verschlägt es in ein südenglisches Fischerdorf. Dort retten ihm erst einige Dorfbewohner das Leben. Dann bringt er wiederum das ganze Dorf dazu, gemeinsam einen gestrandeten Wal vor dem Tod zu bewahren. 

Der Wal wird zu einem Symbol für die besondere Solidarität in diesem Dorf. Und diese wird bald auf eine harte Probe gestellt. Weil Joe Haak durch eine Börsen-Software Insiderwissen besitzt,  weiß er: Eine globale Grippewelle rollt an. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um das Dorf darauf vorzubereiten. Und als dann die Grippe England im Griff hat, spielen sich im Dorf sehr anrührende Szenen ab. Sie haben mir beim Lesen oft vor Augen geführt: Fürsorge und Solidarität sind keine Schwäche, sondern eine enorme Stärke des Menschen. Gerade auch in Krisenzeiten wie jetzt. 

Das hilft mir, auch in meiner Alltags-Solidarität nicht nachzulassen: Wenn es darum geht, die Kontaktregeln einzuhalten. Oder Menschen, die Ansprache brauchen, mit einem Anruf oder einer E-Mail zu zeigen: Sie sind nicht allein. Dabei denke ich immer wieder an diesen Roman zurück: an diese wirklich aufbauende Geschichte von einem Wal, einem Banker -  und ganz viel Solidarität.

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