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Die Sache mit den Lilien
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Die Sache mit den Lilien

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Ich weiß nicht, sagt er und lehnt sich im Sessel zurück. Was soll das denn sein mit Gott? Der alte Herr ist Professor. Weiße Haare, randlose Brille mit Goldbügel. Er sitzt im Sessel. Raucht Pfeife. Und sagt: Gott - was soll das sein? Die Weltregierung? Ich sehe nicht, dass regiert wird. Rauchwolken kommen aus seiner Pfeife. Ich sehe eher Verwirrung und Zerstörung. Jeder nach seinem Interesse. Im Kleinen und Großen. Früher hat er unterrichtet, Biologie. Heute schreibt er Artikel für Zeitungen und Bücher. Und denkt nach über die Welt. Das mit Gott und allmächtig, sagt er, ist mir fremd. Biologe hat Ordnung. Oder Kampf. Obwohl …

Der Satz bleibt offen. Seine Augen schauen irgendwohin. Da ist etwas, sagt er, was mich berührt. Immer schon. Er stopft sich eine neue Pfeife und sagt leise: Die Sache mit den Lilien. Er zündet die Pfeife an, bis sie qualmt. Lilien auf dem Feld, sagt er, jetzt sieht man sie. Sie arbeiten nichts und leben doch. Sie vertrauen, als könne ihnen nichts etwas anhaben. Nicht mal der Tod. Ein Rätsel, sagt er und lehnt sich zurück. Seine Stimme wird leise. Wer malt solches Vertrauen in die Welt, wie das mit den Lilien, sagt er. Sie sorgen für nichts. Verblühen, werden weggeworfen, wachsen neu, sind schön. Als würde alles gut. Irgendwann. Wo auch immer.

Er holt ein Taschentuch und putzt seine Brille. Das mit den Lilien, sagt er, beschäftigt mich. Zutrauen gibt’s in der Biologie nicht. Da ist Ordnung. Oder Kampf. Seine Brille ist sauber. Er setzt sie auf. Dazwischen dann so ein Vertrauen, wie reines Wasser. Wenn man das könnte, sagt er, wäre man dann Gott vielleicht näher?

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