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Die nackten Fragen des Evangeliums
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Die nackten Fragen des Evangeliums

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Pastoralreferentin im Refugium für Mitarbeitende in Caritas und Pastoral des Bistums Limburg
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Der Titel ist ganz schön reißerisch: „Die nackten Fragen des Evangeliums“. Klingt ein bisschen nach „sex and crime“, und dazu noch in der Bibel. Darum geht’s in dem Buch mit diesem Titel natürlich nicht. Aber harmlos ist das Buch über die nackten Fragen des Evangeliums trotzdem nicht.

Der Verfasser ist ein italienischer Ordensmann namens Ermes Ronchi, und er hat mit diesem Buch den Papst und sein Team aus der Kurie ganz schön aufgemischt. Die hatten sich vor drei Jahren, wie jedes Jahr vor Ostern, zu Exerzitien, also stillen Tagen, zurückgezogen. Und Ermes Ronchi, der hat ihnen dabei vor allem Fragen gestellt. Fragen, die dann in dem Buch gedruckt wurden. Fragen, die Jesus von Nazareth schon mal gestellt hat, vor 2000 Jahren.

Die erste Frage scheint total simpel: "Was sucht ihr?" Jesus hat das damals zwei junge Männer gefragt, die zu ihm kamen und ihn kennenlernen wollten. Er hat sie einfach gefragt: "Was sucht ihr?" Jesus hat keine keine Show abgezogen vor diesen jungen Männern. Er hat ihnen nur diese nackte Frage gestellt: Was sucht ihr? Und damit hat er die zwei dazu gebracht, sich selber zu fragen, was sie eigentlich wollen: In ihrem Leben, was sie von Jesus wollen, warum sie bei ihm sind. Genau diese Frage hat Pater Ronchi auch dem Papst und seinen Leuten gestellt. Was sucht ihr eigentlich, in eurem Leben, jetzt?

So eine nackte, einfache Frage kann viel mehr bewirken als ein langer Vortrag. Da kann ich abschalten oder kann anfangen, innerlich dagegen zu argumentieren. Eine Frage rückt mir auf die Pelle und fordert mich heraus, selber Position zu beziehen, Farbe zu bekennen: "Was suche ich eigentlich in meinem Leben, jetzt?"

Ich finde, mit dieser Frage könnte sich jeder mal beschäftigen, nicht nur der Papst und sein Team. "Was suchst du eigentlich, in deinem Leben, jetzt?"

Ich merke, mich lässt sie nicht los, diese nackte einfache Frage: "Was suche ich in meinem Leben, jetzt?" Ich merke, dass sie mich aufmischt. Und ich bin gespannt, welche Antwort ich finde.

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