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Der Blick zum Himmel
Bild: Pixabay

Der Blick zum Himmel

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

Auf einem Acker, den ich bearbeite, habe ich Kartoffeln gehackt. Das ist eine schöne, aber auch anstrengende Arbeit. Man geht langsam Schritt für Schritt in der Ackerfurche zwischen den Kartoffelreihen entlang und hackt das Unkraut um die Kartoffelpflanzen weg. Manchmal muss man sich auch bücken und das Unkraut mit der Hand ausreißen.

Ein Spaziergänger aus unserem Dorf kommt vorbei, grüßt mich und spricht mich auf meine Arbeit an. Er sagt: „Kartoffeln hacken kenne ich noch aus meiner Kindheit.“ Früher haben das viele Familien gemacht. Wer irgendwo einen Acker hatte, baute Kartoffeln an als Grundnahrungsmittel für die Menschen und als Futter für die Schweine. Heute bin ich als Hobbylandwirt der Einzige im Dorf, der noch einen größeren Acker mit Kartoffeln anbaut. Als ich mich wieder zur Erde bücke, ruft mir der Spaziergänger noch aufmunternd zu: „Die Arbeit geht aufs Kreuz! Aber du kannst dich ja hin und wieder zum Himmel strecken.“

Im ersten Moment habe ich gedacht, dass er mich necken will; denn er weiß ja, dass ich Pfarrer bin und von Berufs wegen viel vom Himmel rede. Doch dann habe ich gedacht: Er hat recht. Wenn mir der Rücken schmerzt, weil ich mich so oft bei meiner Arbeit bücken muss, dann tut es gut, sich aufzurichten und zu strecken und den Blick von der Erde zum Himmel zu heben.

Das ist auch sonst so. Man muss den Blick von der Erde, auf der wir ackern und gehen, uns abmühen und stehen, manchmal zum Himmel erheben. Dann sieht man den Horizont, die Weite. Man ahnt etwas von Freiheit.

Jesus erzählt in seinen Gleichnissen oft vom Himmelreich. Er erzählt vom Säen und Ernten; vom Unkraut, das einfach so mitwächst im Weizen. Jesus spricht davon, dass wir uns oft abmühen und trotzdem manches misslingt. Das Himmelreich ist wie ein Ackerfeld, heißt es in einem der Gleichnisse von Jesus. Da säst du die Samenkörner aus und hoffst auf gute Ernte. Ein Teil der Körner fliegt beim Säen über den Ackerrand hinaus. Die fressen die Vögel auf. Anderes fällt unter die Dornen und wird von denen gleich erstickt. Ein Teil aber fällt auf gute Erde, geht auf, bringt gute Frucht und wächst in den Himmel hinein..

Erdlinge heißen die Menschen in der Bibel, also auf die Erde bezogene Wesen. Aber wir sind nicht nur Erdlinge, wir sind auch Kinder des Vaters im Himmel. Daran erinnere ich mich, wenn ich zum Himmel aufschaue: Die Kraft von oben, so haben unsere Vorfahren den Segen Gottes genannt. Der Blick zum Himmel gibt mir die Energie für mein tägliches Dasein auf der Erde.

So wirken Kirchtürme auf mich, auch der meiner Dorfkirche. Wenn ich davor stehe, hebe ich automatisch den Blick. Vom Fuß des Turms schaue ich Meter für Meter nach oben bis zur Kirchturmspitze hinauf und in den Himmel hinein. Ich glaube, genau das wollten die Erbauer von Kirchen mit ihren hohen Türmen bewirken. Sie wollen in den Himmel zeigen. Man muss manchmal den Blick von der Erde zum Himmel aufheben, um zu spüren, dass die Kraft von oben uns stärkt für unser Ackern und Leben auf der Erde.

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