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Buß- und Bettag! Gibt es ihn noch?
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Buß- und Bettag! Gibt es ihn noch?

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von

Prof. Dr. Markus Tomberg,

Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Es ist wie ein kleines Jubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert ist der Buß- und Bettag, der auf den heutigen Mittwoch fällt, auch in Hessen nicht mehr arbeitsfrei. Um die Kosten für die damals neu eingeführte Pflegeversicherung zu kompensieren, wurde der bis dahin gesetzliche Feiertag 1995 abgeschafft. Geblieben ist eine Notiz in vielen Kalendern und Gottesdiensten, vor allem in den evangelischen Kirchen. Das hessische Feiertagsgesetz erlaubt es evangelischen Schülerinnen und Schülern, sich für den Gottesdienstbesuch beurlauben zu lassen.

Das gerät – wie der Buß- und Bettag selbst – langsam in Vergessenheit. Und damit eine lange Tradition. Tage der Buße, der Umkehr und des Gebetes kennen viele Religionen. Und sie antworten auf Herausforderungen, wie wir sie gerade jetzt erleben: Naturereignisse, Katastrophen, Seuchen, Hungersnöte – alles das, was viel größer ist, als dass Menschen es allein bekämpfen könnten, wurde an solchen Tagen, wie dem Buß- und Bettag, vor Gott getragen. Wer irgend konnte, versuchte Buße zu tun: das Leben wenigstens ein wenig zu ändern. Der Buß- und Bettag ist so ein Tag des Eingeständnisses: Nicht alles gelingt, nicht alles ist möglich, und manches läuft sogar richtig falsch. Umkehr und Veränderung tun Not.

In diesen Wochen erleben wir genau das. Da ist die Corona-Krise, die unmittelbar in den Alltag eingreift und die wohl noch lange nicht vorbei ist. Da ist die Klima-Krise, etwas verborgener – und auch sie ist größer als alles, was ein, was wenige Menschen ändern können. Ein Buß- und Bettag, der täte da mehr als Not: Als Eingeständnis menschlicher Schwäche. Aber auch als ein Zeichen, ein Appell zum Widerstand.

Der Widerstand des Buß- und Bettages: der stammt dabei nicht aus einer politischen, gar gewalttätigen Idee. Es ist der Widerstand derjenigen, die auf die Macht Gottes setzen. Es ist der Widerstand der Hoffnung.

Dieser Widerstand ist lebensnotwendig: Ohne Hoffnung leben zu müssen – dafür kennen viele Religionen nämlich ein eindrucksvolles Bild: die Hölle.

Der Buß- und Bettag setzt dagegen auf die Hoffnung. Die haben wir alle nötig. Gönnen wir uns diesen Tag, gönnen wir uns ein wenig Hoffnung.

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