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Glauben und Zweifeln gehören zusammen
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Glauben und Zweifeln gehören zusammen

Martina Patenge
Ein Beitrag von

Martina Patenge,

Katholische Referentin für Glaubensvertiefung und Spiritualität, Kardinal-Volk-Haus Bingen

Es ist gar nicht so einfach, an Gott zu glauben“, sagte der Theologe Fulbert Steffensky in einem Interview. Das sagt einer, der sich sein ganzes Leben mit Gott beschäftigt hat? Erstaunlich! Man sollte doch denken, dass so ein großer, inzwischen 85jähriger Theologe und Schriftsteller sich ganz sicher ist und fest in seinem Glauben steht. Aber es ist eben auch für so jemanden manchmal schwierig, an Gott zu glauben. Fragen und Zweifel werden offensichtlich auch im Alter bei Fulbert Steffensky nicht weniger. Und doch bleibt er dabei: Es gibt für ihn keinen anderen Weg als den mit Gott.

Mit dieser merkwürdigen Mischung von Glauben und Zweifeln leben die meisten gläubigen Menschen. Das ist vielleicht überraschend, aber auch ganz normal. Je intensiver sich jemand mit Gott verbunden fühlt, desto stärker sind diese unterschiedlichen Kräfte. Da ist einerseits eine Ahnung, auch eine Hoffnung auf Gott. Da sind Erfahrungen und Erlebnisse, glückliche Momente beim Beten, Gotteserfahrungen. Eine Kraft, die zu Gott hinzieht. Und andererseits sind da Fragen, Zweifel, Unruhe. Eine Kraft, die von Gott wegzieht. Und mitten drin der Mensch, mehr oder weniger bewegt von diesem Kräftespiel, je nach Temperament. Aber warum ist das so?

Ich überlege, wie das bei mir ist. Da gibt es einen ganz tiefen Grundton des Glaubens. Manchmal bin ich mir ganz sicher. Und dann fallen Zweifel vom Himmel. Ich brauche nur Nachrichten hören jeden Morgen und frage mich angesichts der täglich vermeldeten Katastrophen und Probleme: Hält Gott denn wirklich die ganze Welt in seinen Händen? Manchmal sind diese Fragen und Zweifel also ganz konkret begründet. Manchmal aber entstehen sie einfach so, mitten in einem Lied, mitten in einem Gottesdienst. Was sage ich da eigentlich?, frage ich mich plötzlich, und für eine kurze oder längere Zeit bleibt diese Unsicherheit. Schön ist das nicht, ich würde ja manchmal viel lieber noch meinen guten, sicheren Kinderglauben haben.

Aber anscheinend ist so das Wesen des Glaubens: Gott zeigt sich durchaus – und entzieht sich wieder. Ich kann Gott nicht festhalten. Und nicht über Gott verfügen. Auch wenn ich etwas über Gott sage - es bleibt der Versuch, etwas zu sagen, was eigentlich unsagbar ist. Und immer, wenn ich denke: jetzt habe ich etwas von Gott verstanden, flutscht es mir auch schon wieder aus den Händen. Und wieder von vorn.

Das Gute aber ist: Auch andere Gläubige kennen dieses Wechselspiel, dieses Auf und Ab zwischen Glauben und Zweifeln. Es verläuft ähnlich – zum Glück nicht immer zur selben Zeit. Ich brauche deshalb eine Gemeinde oder eine Glaubensgruppe. Dann ermuntern wir uns gegenseitig und können uns in den unsicheren Momenten stützen.

Und deshalb bin ich auch froh um solche Menschen wie Fulbert Steffensky, die mich teilhaben lassen – an ihrem Glauben, aber auch an ihren Zweifeln.

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