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Was ich mir leisten kann – oder darf
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Was ich mir leisten kann – oder darf

Monika Dittmann
Ein Beitrag von

Monika Dittmann,

Katholische Seelsorgerin im Altenheim, Flörsheim am Main

„Ich kann mir das nicht leisten, einen Fehler zu machen“. Das hat mir vor einigen Tagen eine ältere Dame gesagt. Sie steht parat, wenn die Kinder und Enkel rufen, sie hält die Stellung, wenn die Jungen in Urlaub fahren. Manchmal scheint es ihr zu viel – aber das darf sie nicht sagen, meint sie. Sie darf keine Blöße zeigen, darf nicht zu erkennen geben, dass sie sich übernommen hat; darf vor sich selbst keine Fehler machen.

Viele meinen heute, dass es das Wichtigste ist, nicht aufzufallen und keine Fehler zu machen. Sonst ist möglicherweise die Karriere gefährdet oder das Bild zerstört, das jemand von mir hat. Da könnte ja auch Kritik kommen, oder ich müsste zurücktreten, werde links liegen gelassen oder nicht mehr gefragt. Bloß keine Fehler machen, damit das Leben nicht aus den Fugen gerät!

Ich habe mittlerweile andere Erfahrungen gemacht: Das Leben gelingt nicht, wenn ich mich unangreifbar mache, gelingt nicht, wenn ich ständig in Hab-Acht stehe, perfekt zu sein und keine Fehler zu machen. Ich habe diese risikofeindliche Haltung aufgegeben. Denn wer nicht wagt, dem erschließt sich auch nichts Neues. Wer kein Risiko eingeht, macht keine wunderbaren Erfahrungen – mit sich selbst und seinen Kräften und Gaben, und auch mit anderen Menschen.

So habe ich selbst erlebt, wie man mir mehr Respekt und Wertschätzung entgegen brachte, nachdem ich zaghaft eingestanden hatte, dass mir der Auftrag zu viel wird. Ich wurde wahrgenommen als jemand, die weiß, was sie will und was sie nicht will. Danach werde ich nun öfter um meine Einschätzung gefragt.

Der Volksmund sagt „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Das ist freilich wahr. Und ich möchte hinzufügen: Wer wagt, der gewinnt Lebensfülle – und die Erfahrung, dass Gott uns mehr Kräfte, Begabungen und Möglichkeiten ins Leben mitgegeben hat, als wir bislang gedacht haben. Dazu kommt, dass ich heute Grenzen oder Fehler eingestehen kann, ohne mich zu schämen. Ja, ich fühle mich stark und habe gelernt, dass mich Menschen auch mit meinen Fehlern und Grenzen mögen – und Gott sowieso.

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