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Was und wer und wieso überhaupt bin ich?
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Was und wer und wieso überhaupt bin ich?

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt
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Es gibt eine Frage, über die zerbrechen sich viele Philosophen den Kopf: Was und wer und wieso überhaupt bin ich?

In dem Bilderbuch „He Duda“ von Jon Blake und Axel Scheffler geht ein Kaninchen auf die Suche nach seiner Identität. Am Anfang sieht man das Tier - etwas verloren und trostlos. Ganz allein geht He Duda auf die Suche. Denn er weiß ganz und gar nicht, wer er ist. Er weiß nicht einmal, was für eine Sorte Tier er ist. He Duda kämpft sich durch den Wald voller existentieller Fragen: Ist er Affe, Schwein oder Koalabär? Soll er in einer Höhle, einem Nest oder im Spinnennetz wohnen? Isst er besser Kartoffeln, Fisch oder Würmer? Und wozu sind seine langen Füße da?

He Duda beschließt, sich an den Eichhörnchen zu orientieren. Er klettert auf einen Baum und knabbert Eicheln. Da schleicht sich ein Wiesel heran, das gern Kaninchen frisst. Das Wiesel klettert auch auf den Baum. Doch wie soll He Duda wissen, dass das Wiesel sein Feind ist? Er unterhält sich arglos mit ihm: Was frisst du denn gern? Andere Kaninchen beobachten die Szene von unten aus ihren Erdlöchern. Kurz bevor He Duda gefressen wird, bemerkt er die Gefahr. Instinktiv benutzt He Duda seine langen Hinterläufe und schleudert das Wiesel in den Wald zurück, aus dem es gekommen ist. Endlich hat He Duda herausgefunden, dass er ein Kaninchen ist. Die anderen Kaninchen feiern ihn: „He Duda, du bist ein Held!“

He Duda ist verwirrt. Ein Held soll er jetzt sein? Und doch kein Kaninchen?

Das ist Identitätssuche mit Humor.

Gar nicht so einfach. Oft gibt es schmerzvolle Erfahrungen dabei. Ich erinnere mich gut an die verschiedenen Etappen meiner Suche nach mir selbst. Etwa mit acht Jahren ging es viel um Freundschaften: Mit wem stehe ich auf dem Pausenhof zusammen? Wer mag mich? Wen lade ich zum Geburtstag ein? Es ist dramatisch, wenn sich eine Freundin abwendet. In der Pubertät habe ich kaum ein gutes Haar an mir selbst gelassen: Ich fand mich weder cool noch spritzig. Und schon gar nicht hübsch genug. Ich habe mich nicht wohl gefühlt in meiner Haut.

Erst viel später habe ich gelernt, zu mir zu stehen. Ich weiß jetzt, was ich kann, und kenne auch meine Schwachstellen. Ich gehe nicht so gern ins Theater und in die Oper wie meine bildungsbürgerliche Herkunftsfamilie. Ich gehe lieber ins Kino. Ich habe überhaupt kein Interesse am Kochen und an Kleidung wie viele Frauen. Das war gar nicht so einfach zu akzeptieren, nicht für mein Umfeld und nicht für mich selbst. Ich treffe mich lieber mit Freunden als zu Hause alles perfekt zu machen. Ich bin harmonie-süchtig. Nein zu sagen, fällt mir schwer. Ich bin also immer noch auf dem Weg zu meiner Selbstfindung. Manchmal bin ich immer noch unzufrieden mit mir.

Was mir wichtig geworden ist: Ich habe gute Freunde, die mich akzeptieren, so wie ich bin. Ich glaube: Diese Freunde hat Gott an meine Seite gestellt, damit ich mich selbst mehr schätze. In einem Psalm in der Bibel steht: „Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Irgendwie bin ich wunderbar. Wie, das finde ich jeden Tag neu heraus.

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