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Warum es so schwer fällt, aufs Feiern zu verzichten
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Warum es so schwer fällt, aufs Feiern zu verzichten

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Moderator/Moderatorin: Beim sogenannten „Corona-Gipfel“ im Kanzleramt haben sich am Mittwoch Bund und Länder auf einheitlichere Regeln im Umgang mit der Corona-Pandemie verständigt. Angesichts der steigenden Infektionszahlen gilt: „Mehr Maske, weniger Alkohol, weniger feiern.“ Viele finden es besonders schwer, so lange schon aufs Feiern zu verzichten. Gedanken dazu von Pfarrer Peter Kristen aus Limeshain im hr1 Zuspruch.

Im Mai wollten sie kirchlich heiraten, Tom und Maren. Lange vorbereitet, richtig groß. Die Trauung in der kleinen Kirche im Ort mit vielen Gästen von überall her: Familie, Studienfreunde und die Gastfamilie von damals aus Amerika.

Hochzeit im Mai verschoben, aber jetzt geht feiern auch nicht

Weil das wegen der Pandemie im Mai nicht ging, haben sie ihre Hochzeit verschoben - auf heute.
Fünfzehn Personen oder zwei Familien, das sind die neuen Regeln für private Feiern. „So kann man aber keine Hochzeit feiern“, sagen die beiden. Sie haben ihr Fest ein zweites Mal abgesagt. Kein Wunder, dass sie traurig sind.

"Feste unterbrechen den Alltag und stärken die Gemeinschaft"

Feste haben überall auf der Welt etwas gemeinsam: Menschen feiern an den Übergängen des Lebens und an besonderen Tagen im Jahr. Feste unterbrechen den Alltag und stärken die Gemeinschaft. Zu Festen gehört ein besonderer Ort. Meist gibt es ein Ritual, das vielen vertraut ist. Und man macht alles ein bisschen schöner, als es sonst ist.

So wie bei der Hochzeit von Tom und Maren:
Sie hätten sich schön angezogen und ihre Gäste auch. Sie hätten das Trauritual in der festlich geschmückten Kirche erlebt, dem besonderen Ort.
Feiern gehört zum Leben.

Auch Jesus hat gern gefeiert

Auch Jesus hat gern gefeiert. Manche haben ihn deswegen sogar einen „Fresser und Weinsäufer“ genannt. (Mt. 11,19)

"Ohne Feiern fehlen uns besondere Erlebnisse, an die wir uns gerne erinnern"

Ohne Feiern fehlen uns besondere Erlebnisse, an die wir uns gerne erinnern und von denen wir lange erzählen. Darum ist es so schwer, darauf zu verzichten. Da darf man enttäuscht sein, dass so viele Feste dieses Jahr ausfallen. Auch für die Jüngeren ist das hart, für die „feiern gehen“ ab und zu dazu gehört: Sich schick machen, Freunde treffen, trinken, tanzen.  

Zu Hause im kleinen Kreis feiern, hat auch was

Im kleinen Kreis feiern, ich finde, das hat seinen eigenen Charme. Zwar nicht an einer extra Location. Aber dafür mache ich es zu Hause besonders schön: den Tisch festlich decken. Kleine Highlights auch in der Woche setzen,
zum Beispiel ein besonderes Sonntagsessen für alle, mit denen ich lebe, ein frischer Herbstblumenstrauß im Wohnzimmer, ein neues Foto an der Wand.

Und Tom und Maren? Die planen ihr Hochzeit jetzt für nächstes Jahr. Bis dahin wollen sie sich‘s an einem Abend im Monat besonders schön machen, als Appetizer für das große Fest.

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