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Von alten Worten und überraschend neuen Ideen
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Von alten Worten und überraschend neuen Ideen

Vera Langner
Ein Beitrag von

Vera Langner,

Evangelische Pfarrerin, Ober-Ramstadt
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An diesem Sonntag heute wollten wir in Ober-Ramstadt in der evangelischen Kirche eigentlich einen großen Konfirmationsgottesdienst feiern, festlich mit rappelvoller Kirche – so wie jedes Jahr im Mai. Aber alles ist anders in diesem Jahr 2020.

Ein Abschied auf Zeit - aber für wie lange?

Am 13. März, also vor über zwei Monaten, haben wir Pfarrerinnen unsere Konfirmandengruppe zum letzten Mal gesehen. Es ging um das Thema „Schöpfung bewahren“. An diesem letzten Abend nach dem Programm und dem gemeinsamen Essen zum Abschied haben wir unsere Konfirmanden mit besonderen Worten entlassen. Wir haben damals nicht genau gewusst, was alles kommen würde. Aber haben geahnt, dass vieles anders wird. Ich sagte zu den Konfirmanden: "Es kann sein, dass ihr in der Kirchengeschichte von Ober-Ramstadt der zweite Jahrgang seid, bei dem die Konfirmation verschoben werden muss." Die Konfirmanden schauten mich ungläubig an.

Erst zweimal wurde die Konfirmation verschoben

Dann erzählte ich ihnen, dass vor genau 75 Jahren im März 1945 am Samstag vor der Konfirmation die ersten amerikanischen Soldaten einmarschiert waren in Ober-Ramstadt. Die Konfirmation am nächsten Tag durfte nicht stattfinden. Die gebackenen Kuchen mit den vom Mund abgesparten Lebensmitteln, die es ja damals nur auf Bezugsscheine und Lebensmittelkarten gab, mussten gegessen werden ohne Konfirmation.

Am Sonntag danach konnte dann zwar der Festgottesdienst in der Kirche stattfinden. Aber Kuchen gab es dann keinen mehr. Die Enttäuschung war groß. Aber größer war die Erleichterung darüber, dass der Krieg zu Ende war. Die Jugendlichen von damals sind heute fast 90 Jahre alt, aber sie erzählen ihre besondere Geschichte von damals immer noch, als wäre sie gerade erst geschehen.

Was werden wohl unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden für unglaubliche Geschichten erzählen in 75 Jahren, wenn sie dann berichten von ihrer Konfirmation, die wegen Corona zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste und dann ganz anders gefeiert wurde als gedacht?

Die Corona-Pandemie stellt neue Spielregeln auf

Aber es ist ja nicht nur die Konfirmandengruppe in Ober-Ramstadt, die jetzt ganz unglaubliche Geschichten erlebt. Wir alle sind in irgendeiner Form betroffen. Weltweit durchkreuzt die Corona-Pandemie die Pläne, stellt unser Leben auf den Kopf. Ganz neue Spielregeln gelten in unserem Land und weltweit.

"Haben wir die Konfirmanden gut genug vorbereitet auf diese Krise?"

Ich frage mich als Pfarrerin: Haben wir unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden gut genug vorbereitet auf so eine Krise? Sind sie schon ausgestattet mit Ideen und Gedanken, Texten und Liedern, die ihnen Halt und Zuversicht geben? Ist die  Gemeinschaft unter den Jugendlichen und mit uns Erwachsenen stark genug gewachsen, dass wir diese Irritationen und Belastungen miteinander durchstehen können?

Konfirmation heißt Bestärkung

Das Wort Konfirmation bedeutet übersetzt Bestärkung. Gerade am heutigen Sonntag, an dem wir sie ursprünglich mit der Konfirmation und dem besonderen Segen entlassen wollten in ihr Erwachsenwerden und in die Religionsmündigkeit, beschäftigen mich solche Gedanken.

Denn wir haben ihnen nichts erzählt von den Katastrophen, mit denen unsere Väter und Mütter des Glaubens zurechtkommen mussten. Wir haben zu wenig in den Psalmen gesucht nach Texten, die nachempfinden lassen, wie Menschen durch tiefes Leid und durch Bedrohungen hindurch zu neuer Zuversicht gefunden haben.

Vielleicht können wir unseren Jugendlichen noch etwas nachreichen, was jetzt in dieser Zeit hilfreich ist für ihre Bestärkung. Ich gehe auf Spurensuche und sammele, was mir selbst zurzeit wichtig ist, was ich neu entdeckt habe und überrascht war, dass vertraute Worte in der Krise einen neuen Klang für mich bekommen.

Musik: Felix Mendelsohn Bartholdy, Cantata Nr. 8, "Wir glauben all an einen Gott", 1. Satz, (Chamber Choir of Europe, Württembergische Philharmonie Reutlingen, unter Nicol Matt)

"So etwas gab es noch nie"

"So etwas gab es noch nie." Ein vielgebrauchter Satz der vergangenen Wochen. Christen haben ihn gesagt, als sie an ihren höchsten Feiertagen in der Karwoche und an Ostern keine Gottesdienste gemeinsam in ihren Kirchen feiern konnten. Jüdinnen und Juden haben es schmerzlich erlebt, dass sie sich an ihrem wichtigen Glaubensfest, dem Pessach oder Passah-Fest nicht in den Synagogen versammeln durften. Und für Musliminnen und Muslime bricht jetzt die letzte Woche des Fastenmonats Ramadan an. Normalerweise kommen sie da am Abend zum Fastenbrechen und Gebet in den Moscheen zusammen. Aber das war so in den vergangenen Wochen nicht möglich. Die Gotteshäuser konnten nicht genutzt werden. So etwas gab es noch nie.

Vor über 2500 Jahren zerstörten die Babylonier Israel - eine Kathastrophe mit weitreichenden Folgen

Oder doch? In der Geschichte des jüdischen Volkes gab es vor über 2500 Jahren eine Epoche, in der sie gar keinen Tempel mehr hatten. Der Mittelpunkt des religiösen Lebens, der Tempel in Jerusalem war zerstört. Die kultischen Geräte, die Rituale, die vertrauten Gebete und Opferzeremonien im Haus Gottes konnten nicht mehr vollzogen werden.

Die babylonische Großmacht hatte 597 vor Christus das Land erobert, Jerusalem zerstört, den Tempel dem Erdboden gleich gemacht. Die Oberschicht des Volkes inklusive der Priesterschaft war ins ferne Babylon deportiert worden. Das einfache Volk blieb im Land Israel zurück. Für das Volk Gottes war das eine Katastrophe mit weitreichenden Folgen.

Die Krise dauerte 40 Jahre

Wenn nichts mehr geht, was geht dann noch? Das könnten sich die Menschen damals gefragt haben. Denn sie mussten sich mit dieser Krise arrangieren. Die politische, wirtschaftliche und religiöse Krise damals dauerte nämlich 40 Jahre lang. Diese lange Krisenzeit erwies sich aber später als eine der wichtigsten Erneuerungsphasen des jüdischen Glaubens.

Die Erinnerung an die Glaubensgeschichten der Vorfahren wurde zu Kraftquellen

Bis heute wirkt sich diese Krise ertragreich aus für alle, die sich in ihrem Glauben auf die Bibel berufen. Denn viele Geschichten der Bibel sind damals entstanden, sind neu erzählt worden, haben ihre Kraft entfaltet zum Durchhalten.

Im Nachhinein erwies es sich als hilfreich, sich an die Geschichten der Glaubensväter und Glaubensmütter zu erinnern. In der Verbannung, in der Isolation, in der Einsamkeit waren das Kraftquellen. Denn in ihnen wurde spürbar, dass Gottes Liebe und Fürsorge mitgeht trotz allem.

Gott wohnt überall - nicht nur im Tempel

Gott wohnt nicht nur im Tempel. Das erlebten die Menschen damals in der Fremde, im babylonischen Exil. Gott ist überall zu finden, auch zu Hause, wenn ich traurig bin. Auch in der Dunkelheit des Lebens, wenn ich nach Orientierung suche. Wenn ich erlebe, weit weg zu sein von dem, was mir Heimat und Geborgenheit gegeben hat. Da komme ich dem neu auf die Spur, was wesentlich ist in meinem Leben, was mich trägt und mir Halt gibt, auch und gerade wenn das Chaos über mir zusammenzubrechen scheint.

Die Priesterschaft aus dem Tempel in Jerusalem wird sich in Babylon am Anfang nutzlos und ohnmächtig vorgekommen sein. Was sollten sie jetzt machen? Ihr Arbeitsplatz war im wahrsten Sinne des Wortes vernichtet. In Trümmern lag, was ihre Existenz und ihren Lebenssinn ausgemacht hatte. Aber aus dieser Zwangspause entwickelte sich eine geniale Geschichte, eine neue Sicht auf die Wirklichkeit, ein neues Gottesbild.

Ein Schöpfungsmythos entsteht

In der Auseinandersetzung mit den Schöpfungsmythen der fremden Welt im Babylonischen Großreich entstand ein Schöpfungshymnus mit sieben Strophen. Bis heute steht er am Anfang der Bibel. Er beginnt mit den Worten:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.

Aus dem Tohuwabohu zum Licht

So wird ein Urzustand beschrieben, lebensfeindlich, unheimlich und chaotisch. "Wüst und leer", das heißt im hebräischen Urtext "Tohuwabohu". Mit "Irrsal und Wirrsal" übersetzte der jüdische Theologe Martin Buber das hebräische Tohuwabohu.

Und im Deutschen gibt es das nach wie vor als Redewendung. Manche Mutter, mancher Vater sagt das, wenn sie das chaotische Zimmer ihrer Kinder sehen: "Was herrscht denn hier für ein Tohuwabohu?!"

Ins Chaos, ins Wüste und Leere hinein spricht Gott. Und Gottes Wort macht das Chaos zum Kosmos, verändert schöpferisch alles zum Guten.

Da sprach Gott: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Morgen und Abend der erste Tag.

Gott schafft also Struktur im Chaos. So wird neues Leben möglich.

Lichtblicke haben und Licht werden für andere

Wir Pfarrerinnen haben diese Geschichte mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden Anfang März noch einmal intensiv angeschaut. Wie gut, denke ich heute. Vielleicht erinnern die Jugendlichen sich jetzt daran. "Es werde Licht!"

Vielleicht erleben sie solche Lichtblicke, in denen Gottes Liebe und Fürsorge aufleuchtet in dem, was Menschen in der Krise Gutes füreinander tun. Vielleicht können die Jugendlichen selber Licht sein für andere, die sie mit guten Worten aufmuntern oder ihnen helfen. Es werde Licht! Und es ward Licht. Ja, darauf ist Verlass!  

Musik: Joseph Haydn, Die Schöpfung, "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" (VokalEnsemble Köln, Capella Augustina, unter Andreas Spering)

Gott schafft Struktur im Chaos

Am Anfang der Bibel schafft Gott Struktur im Chaos und nennt die Dinge beim Namen, die sein sollen. So entsteht das Himmelsgewölbe mit Sonne, Mond und Sternen, die Erde mit Land und Meer, mit Pflanzen und Tieren im Wasser, in der Luft und auf dem Land. In der Bibel steht: "Und Gott sah, dass es gut war." Erst dann, als nach dem lebensfeindlichen Chaos eine gute Ordnung entstanden war durch Gottes Schöpfungswerk, da sprach Gott:

Gott schafft den Menschen

Wir wollen Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.

Am siebten Tag ruhte Gott

So wurden Himmel und Erde und alles, was in ihnen kämpft, zum Abschluss gebracht. Gott aber brachte das eigene Werk am siebten Tag zum Abschluss, indem Gott ruhte und diesen Ruhetag segnete. Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden.

Der Ruhetag ist die Krönung der Schöpfung. In der Ruhe angekommen sind die Menschen, die diese Geschichte erzählt haben. Sie haben damit ihren Glauben ausgedrückt, dass hinter allem, was ihnen begegnet im Leben, eine liebevolle Schöpfermacht steckt.

Und dass Gottes schöpferische Geistkraft immer erst dann alles vollendet hat, wenn Ruhe und Frieden eingekehrt sind. Bis dahin aber gilt es zu schaffen, zu kämpfen, zu ackern, zu wirken im Sinne Gottes.

Der Mensch soll Verantwortung übernehmen über die Schöpfung

In der Schöpfungsgeschichte der Bibel ist der Mensch von Anfang an nicht allein auf der Welt. Im Gegenteil. Gott schafft zuerst die Natur, dann erst kommt der Mensch. Alle Menschen, Männer und Frauen, sind Teil der Natur und doch auch in besonderer Weise gesegnet. Sie sind die sehr gute Schöpfungsidee Gottes und beauftragt, Verantwortung zu übernehmen im Sinne des Schöpfers.

Schon oft habe ich mich mit dieser Schöpfungsgeschichte beschäftigt, aber erst jetzt in der Zeit der weltweiten Pandemie, einer Krise, die uns im Lebens- und Glaubensalltag tief erschüttert, lese ich diese Geschichte noch einmal neu vor dem Hintergrund ihrer Entstehungssituation.

Im Exil entsteht eine Geschichte des Glaubens

Entstanden ist diese Geschichte im babylonischen Exil. Verbannt in heidnische Götterwelten schreiben die Priester des jüdischen Volkes auf, was ihnen wichtig geworden ist im Glauben an den einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Verwaist ohne Tempelrituale sind sie, aber es entsteht dieser kunstvolle Text, eine beruhigende Grundlage für den Glauben und das Vertrauen in die Urkraft des Lebens.

Die Menschen damals kannten natürlich noch keine Krankheitserreger und Viren. Aber sie wussten, dass die Natur nicht immer nur gut und schön anzuschauen ist, sondern auch gefährlich werden kann für den Menschen. Sie wussten: Die Chaoskräfte können immer wieder über sie hereinbrechen.

Auch das Corona-Virus ist ein Teil der Schöpfung

Auf Heute übertragen glaube ich:  Auch das Corona-Virus ist Teil dieser Schöpfung. Es kämpft als Parasit, was ja übersetzt „Mitbewohner“ heißt, ums Überleben. So wie alles, was lebt. Nur dass dieser Mitbewohner für uns Menschen lebensgefährlich werden kann, so wie andere Krankheiten und Naturkatastrophen auch. Dann droht unser menschlicher Kosmos ins Chaos zu stürzen.

Aber wir dürfen gemeinsam mit all unserem Wissen, mit unseren sozialen und finanziellen Möglichkeiten versuchen, diese Gefahr zu beherrschen. Damit wird der Menschheit viel zugemutet. Aber die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel traut der Menschheit auch viel zu. Warum sollte ich jetzt daran zweifeln?

Musik: Joseph Haydn, Die Schöpfung " Stimmt an die Saiten", (VokalEnsemble Köln, Capella Augustina, unter Andreas Spering)

Nach 40 Jahren Exil haben sich Menschen und Glauben verändert

Die Priesterschaft aus Jerusalem konnte erst nach 40 Jahren das Exil in Babylon wieder verlassen gemeinsam mit den anderen Deportierten aus dem biblischen Israel. Dann erst konnten sie den Tempel wieder aufbauen in der Hauptstadt Jerusalem.

Aber die Gottesdienste waren nicht mehr so wie früher. Die Menschen hatten sich verändert in der Zeit der Krise. Der Glaube hatte sich verändert, und die Rituale wurden entsprechend angepasst. Die Gläubigen griffen alte Traditionen auf, setzten aber auch neue Erkenntnisse um im Alltag des Glaubens und bei den Festen, die es wieder zu feiern gab.

Auch nach Corona wird vieles anders sein

Die aktuelle Pandemie wird keine 40 Jahre dauern. Und auch unsere Konfirmandengruppe in der evangelischen Gemeinde in Ober-Ramstadt wird wohl noch konfirmiert werden. Aber unsere Gottesdienste werden anders sein. Unsere Lebenserfahrungen und unsere Glaubenserfahrungen in dieser Ausnahmezeit werden uns verändert haben.

Mit neuen Augen sehen wir in der ganzen Welt, wie gefährdet unser Leben ist und wie kostbar. Viele spüren, wie notwendig wir auf andere angewiesen sind und wie wunderbar es ist, Solidarität und Menschfreundlichkeit zu erleben.

Sonne, Mond und Sterne sehen viele mit neuen Augen und singen abends gemeinsam am offenen Fenster oder auf dem Balkon: "Der Mond ist aufgegangen, die gold´nen Sternlein prangen am Himmel hell und klar." Und das Lied endet mit der Zeile: "Und lass uns ruhig schlafen und unsern kranken Nachbarn auch."

Singen hilft gegen die Angst

Singen vertreibt die Angst, stärkt den Organismus und tröstet die Seele. Das wussten die Menschen früher noch besser als heute. Denn sie waren viel öfter Krisen und Katastrophen ausgeliefert.  

Es ist gut alte Texte und Lieder im Kopf zu haben, die trösten können

Menschen erinnern sich auch jetzt an alte Lieder, die sie gerne singen. Glocken rufen seit Beginn der Krise zu besonderen Uhrzeiten zum Gebet. Kirchentüren stehen offen, damit man einzeln sich in die Kirche setzen kann und einen Ort hat für Ruhe, fürs Gebet, für Schutz. Erste Andachten und Gottesdienste mit Abstand werden ausprobiert.

Unsere Konfirmanden mussten das Vaterunser oder den Psalm 23 auswendig lernen. Vielleicht erinnern sie sich jetzt ab und zu an diese Worte. Vielleicht leuchten manchmal einzelne Verse auf wie diese aus dem Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln….Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich…Und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Bleiben im Haus des HERRN immerdar, so endet der Psalm 23. Das Haus des HERRN, das ist nicht nur das Gotteshaus aus Stein, sondern die Gemeinschaft der Menschen, die sich als Gottes Ebenbilder einbringen in das große Werk der Schöpfung. Die da sind, wenn sie gebraucht werden, die miteinander teilen, was sie haben und trotz aller Strapazen fröhlich bleiben können.

In Kriesenzeiten entstehen neuen Geschichten, die weitererzählt werden sollten

Es gibt eine weltweite Suchbewegung für neue Lösungen im Angesicht der Krise des Lebens. Und es gibt wunderbare Beispiele, was Menschen alles finden, was sie tun für sich und andere und was sie erzählen können von neu entdecktem Trost und neu entdeckter Lebensfreude. Denn in Krisenzeiten entstehen neue Geschichten. Sie wollen noch lange weitererzählt werden.

Es scheint so zu sein, dass jetzt jeder und jede etwas Neues erzählen kann und vielleicht sogar aufschreiben wird, so wie es die Priester des jüdischen Volkes im babylonischen Exil gemacht haben in der großen Krise vor langer Zeit. Jedes Leben ist kostbar in den Augen des Schöpfers. Und deshalb auch jede Lebensgeschichte, auch die unserer Konfirmanden.

Vielleicht werde ich sie heute einfach mal anrufen und fragen, wie es ihnen geht an dem Sonntag, an dem eigentlich ihre Konfirmation gewesen wäre. Eine solche Telefonaktion gab es meines Wissens in unserer Ober-Ramstädter Kirchengemeinde noch nie. Aber warum nicht? Jetzt ist die Zeit, um Neues zu starten.

Musik: Joseph Haydn, Die Schöpfung, "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", (VokalEnsemble Köln, Capella Augustina, unter Andreas Spering)

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