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Vom Großmaul zum Großherz
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Vom Großmaul zum Großherz

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Kann sich ein Mensch ändern? Von Grund auf, vom Saulus zum Paulus, wie man so sagt? Ich denke Ja. Heute wird einer 75 Jahre alt, der sich von Grund auf geändert hat; sich und sein Leben: Muhammad Ali, ehemals Cassius Clay. Voriges Jahr ist er nach langer Krankheit gestorben, von der Welt verehrt. Als er die Boxringe der Welt betrat, gilt er als Großmaul. Und redet auch so. „Ich bin der Größte“, ruft er allen zu, die es nicht hören wollen. Als Kind hörte ich das gern. Endlich einer ohne falsche Bescheidenheit. Er konnte sich’s leisten. Gewann und gewann. Wir standen nachts auf, wenn er boxte. Und wieder gewann. Und noch lauter tönte. Bis es vorbei war. Eines Tages heißt er nicht mehr Cassius Clay, sondern Muhammad Ali. Er legt seinen Namen und sein altes Leben ab und beginnt ein neues. Kein Großmaul mehr, aber ein großes Herz. Er kämpft nicht mehr mit Fäusten, sondern mit Verstand: für die Rechte der Schwarzen, für Arme, für Freiheit der Religionen. Verstanden habe ich das damals nicht, geachtet aber schon. Einer ist abgebogen; hat seinen alten Weg verlassen und geht einen neuen. Von Cassius zu Muhammad. Vom Großmaul  zum Großherz.
So etwas geht. Vielleicht nicht von heute auf morgen, auch wenn es so aussieht.
So wie es aussieht, ist es oft nicht. Da schlummert etwas schon länger. Eine Unzufriedenheit, ein Überdruss am Alten. Man geht den alten Weg und ahnt, dass er nicht mehr stimmt. Man hört sich reden und weiß doch, dass man nicht mehr ist, was man sagt. Man steht nicht mehr zu sich. So etwas gibt es. Das schlummert in einem und wird allmählich wach. Jetzt hat man die Wahl: Bleibe ich auf dem alten Weg oder nehme ich den anderen? Den unvertrauten, vielleicht steinigen? Nicht von heute auf morgen geht das alles, aber doch allmählich. 

Muhammad Ali nahm den anderen Weg. Kann sein, dass er einen Wink geahnt hat. Oft ist da etwas oder jemand, der winkt. Oder flüstert: Bleib nicht, der du bist.
Werde anders, vielleicht besser. Du kannst mehr, als nur du selbst sein. Es könnte Gott sein, der so spricht oder winkt. Und sagt: Komm, nimm den anderen Weg.
Lebe nicht nur für dich. Du kannst mehr. Du kannst ein Glück für andere sein.
Komm mit mir, nimm den anderen Weg.

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