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… und führen, wohin du nicht willst
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… und führen, wohin du nicht willst

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Plötzlich ist er berühmt. Er schreibt ein Buch über seine Zeit im Dritten Reich.
„… und führen, wohin du nicht willst“ (1951), heißt das Buch. Ein Satz aus der Bibel. Das Buch wird gelesen, übersetzt. Helmut Gollwitzer (25. Todestag am 17. Okt. 2018) wird berühmt Als Theologieprofessor stellt er die Frage: Ist es auch Leben, wenn Pläne nicht aufgehen, Wünsche sich nicht erfüllen oder ein Mensch ausschert und böse wird? Was hat das Widerwärtige mit Gott zu tun? Die Frage aller Fragen; er stellt sie und beantwortet sie, manchmal. Zum Beispiel, als er Ulrike Meinhof beerdigt, die Terroristin (1976). Da sind viele in der Kirche wütend auf ihn. Wie kann ein Professor eine Böse beerdigen?, fragen sie in Zeitung und Rundfunk. Warum denn nicht?, sagt Gollwitzer. Und spricht am Grab auf Wunsch der Familie. Sagt den wertvollen Satz: Auch dieser Mensch, ob richtig oder falsch, ob gut oder böse, ist hinübergegangen in die Arme der ewigen Liebe Gottes.

Das hören viele nicht gerne. Dabei stimmt es. Was Gott im Gericht macht, bleibt seine Sache und werden wir erleben. Erst einmal aber öffnet er seine Arme, wenn ein Mensch von der Erde kommt. Die erste Frage heißt nicht: Warst du ein Guter oder eine Böser? Warst du gesund oder krank? Der Himmel stellt keine Fragen. Der Himmel nimmt auf. Die Arme der Liebe sind offen, auch für böse Frauen und Männer. Wo kämen wir hin, wenn wir das selber bestimmen könnten. Was wissen wir denn vom Herzen eines Menschen? Wir sehen, was vor Augen ist. Gott sieht anders. Was er dann macht, wissen wir nicht. Ob und wie er urteilt, ahnen wir nicht. Und ob die Guten wirklich so gut waren, wie sie selbst meinen, können wir auch nicht wissen. Hört Gottes Liebe einfach auf, wenn einer böse daherkommt?

Nein, sagt Gollwitzer, natürlich hört sie nicht auf. Gottes Liebe ist aber nicht nur Kuscheln, sondern auch Gericht. Alles wird ans Licht kommen. Auch meine Haltung im Leben. Und ob ich mir diente oder Gott und den Menschen. Alles

wird ans Licht kommen. Wenn Gott will. Manche führt Gott, wohin sie nicht wollen. Nie wollten. Und sie bleiben treu. Wie damals Petrus (Johannes 21,18). Der

will auch nicht, wohin Jesus ihn führt. Und sagt doch: Herr, wohin du auch führst; ich habe dich lieb.

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