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Sieh mal an, er ist zurückgekommen
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Sieh mal an, er ist zurückgekommen

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Der Pfarrer lacht. Das kommt nicht oft vor. Meist schweigt er im Sessel, Hände über dem Bauch gefaltet. Oder brummt Worte vom lieben Gott. Er sieht aus wie ein Bär. Sitzt und wartet auf den Winterschlaf. Heute nicht. Da lacht er. Es ist wieder Männerkreis wie einmal im Monat. Der Schlossherr hat geladen. Damals, als man noch in Herrenzimmern saß, tüchtig trank und Zigarren rauchte. Und über Gott und die Welt redete. Wie heute. Ob die Bibel wörtlich zu verstehen sei, ist plötzlich das Thema. Und welchen Sinn es hat, sie wörtlich zu nehmen oder nicht. Meinungen gehen hin und her. Gläser gehen zum Mund, Asche fällt von Zigarren auf Anzüge und Teppich. Auf einmal lacht der Pfarrer. Die anderen schrecken auf, sind überrascht. Es kommt nicht oft vor, dass der Bär lacht. Jetzt schon. Er kennt eine Geschichte. Die erzählt er jetzt, nach dem Lachen. Natürlich soll man die Bibel wörtlich nehmen, sagt er. Ich war einmal am Meer, sagt er, vor Jahren. Da habe ich meinen Kopf in den Händen vergraben. Und dann gebetet, dass ein kleiner Berg vor mir sich ins Meer stürzt. Wie der Herr Jesus gesagt hat (Neues Testament, Matthäusevangelium Kapitel 21, Vers 21). Man soll beten, hat der Herr gesagt, dass der Berg sich ins Meer stürzt; dann geschieht es. Mit diesem maßlosen Vertrauen. Ich hab’s getan. sagt der alte Pfarrer, genau so. Und gebetet und gebetet, wie der Herr Jesus befohlen hat. Mit ganzer Kraft, den Kopf in den Händen vergraben. Und dann, nach einer Weile, hebe ich meinen Kopf wieder an, schaue hin - und sehe, dass der Berg noch da ist. Sieh mal an, denke ich da, sieh mal an, der Berg ist zurückgekommen. Der alte Pfarrer lacht. Jetzt mit Tränen in den Augen.

Herrlich, so ein Glaube. Glaube ist für möglich halten. Alles. Auch das Unvorstellbare. Wenn der Berg noch da steht, war er eben zwischendurch weg. So sind sie, die an Gott glauben, auf ihn hoffen. Unerschütterlich. Sie setzen nicht auf ihre Wünsche, sondern auf seine Kraft. Sie sehen nicht nur einen Schritt weiter, sondern viele; achten nicht nur auf diesen Tag, sondern auf Wochen und Monate. Und wissen sich behütet, allezeit. Wer glaubt, hält für möglich. Nicht nur, dass Berge ins Meer stürzen. Noch viel mehr. Dass Kranke heiter bleiben und Verwirrte getröstet werden; dass alle Schuld einmal gesühnt wird und der Himmel auf uns wartet. Wer glaubt, kennt mehr als diesen Tag. Und weiß, was heute auch möglich ist. Maßloses Vertrauen. Dass alles gut wird.

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