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Seifenblasen
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Seifenblasen

Ein Beitrag von

Sandra Matz,

Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

Meine Freundin Yvonne ist unverhofft beschenkt worden, und das an einem trüben Novembertag. Auf dem Weg zur U-Bahn muss sie an einer Fußgängerampel warten. Die ist für ihre langen Rotphasen bekannt. Da entdeckt sie eine Seifenblasendose, die jemand mit Klebeband an der Ampel befestigt hat. Daneben steht auf einem Zettel: „…wenn’s mal wieder länger dauert.“ Und dahinter ist ein kleiner Smiley gemalt.

Yvonne zögert. „Und wenn mich jemand sieht? Egal.“ Sie schnappt sich die Seifenblasendose, pustet vorsichtig, schon fliegen ein paar schillernde Seifenblasen über den Asphalt in den grauen Himmel. Und mit ihnen verfliegt Yvonnes schlechte Laune.

Wie schön, wenn man unverhofft überrascht wird. Dazu noch von jemanden, den man gar nicht kennt. Immer öfter gibt es Menschen, die anderen – völlig Unbekannten – einfach eine Freude bereiten. So wie mit den Seifenblasen. Woanders hat jemand kleine Zettel verteilt mit guten Wünschen: „Viel Kraft!“ und „Du schaffst das!“ Oder bereits bezahlte Parktickets auf einen Parkscheinautomat gelegt.

Solche kleinen Aktionen tun gut. Yvonne und ich phantasieren: Wer macht so was? Eine alleinstehende alte Dame? Jugendliche? Ein Anwalt in seiner Mittagspause? Auf jeden Fall jemand, dem selber etwas Gutes widerfahren ist, das er oder sie weitergeben will. Jemand, der für eine gute Tat keinen Applaus braucht. Jemand, dem andere Menschen nicht egal sind. Und jemand, der weiß: „Mein „Nächster“ ist jede und jeder, der hier vorbeikommen könnte.“ Großartig, solche Aktionen der Nächstenliebe. Die wildfremden Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Zum Beispiel mit Seifenblasen an einem trüben Novembertag.

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