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Sehnsucht nach normal
Bild: Gerd Altmann/Pixabay

Sehnsucht nach normal

Jens Haupt
Ein Beitrag von Jens Haupt, Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Es gibt so Tage, da wünsche ich mir, dass alles irgendwie ganz normal seinen Gang geht.

Dass alles funktioniert.
Die Kaffeemaschine will nicht entkalkt werden, es kommt keine nervige Post, die wieder etwas von mir will und mein Computer macht, was er soll.
Und keine Katastrophenmeldung.
Dass einfach mal alles läuft.

In diesen Zeiten ein frommer Wunsch. Weiß ich auch.

Ich drehe es heute mal rum: Wer arbeitet heute dafür, dass doch eine ganze Menge funktioniert? Dass das Wasser läuft, der Strom fließt und der Müll abgeholt wird? Ich denke an die Frauen und Männer in der Krankenpflege, an die Ärztinnen und Ärzte, die rund um die Uhr gegen die Pandemie arbeiten. Ich denke an die Polizistinnen, die Rettungskräfte, die Feuerwehr. Den Lebensmittelhandel. Es sind viele, die für ein funktionierendes Gemeinwesen sorgen.

Ich gebe zu, ich nehme das alles als selbstverständlich und rege mich auf wegen nervender Kleinigkeiten.
Corona rückt das für mich zurecht.
Was ist wichtig, was ist unwichtig?

Trotz allem, ich kann aufstehen, ich kann gehen, schlafen, hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen. Und selbst wenn das eine oder andere im Moment nicht geht, wenn wir begrenzt werden in unseren Kontakten, unseren Reisen, unserem Alltag insgesamt: Für diesen einen Tag reicht es und dafür bin ich Gott dankbar. Ich bin da, ich kann tief Luft holen. Ich kann nachdenken über das, was ich wirklich brauche.

Natürlich wünsche ich mir, dass alles wieder normal wird, alles funktioniert, seinen Gang geht. Ich will aber auch nicht vergessen, wie zerbrechlich unser Leben ist. Und wie sehr wir dabei aufeinander angewiesen sind.

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