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Robin Hood - Räuber im Namen der Gerechtigkeit

Robin Hood - Räuber im Namen der Gerechtigkeit

Anne-Katrin Helms
Ein Beitrag von

Anne-Katrin Helms,

Evangelische Pfarrerin, Erlösergemeinde Frankfurt-Oberrad

Die Kutsche fährt durch den Sherwood Forrest. Sie ist mit Silber und Gold gefüllt. Prinz John und seine Begleiter wollen die Steuern, das viele Geld, in Sicherheit bringen. Sie haben es Untertanen abgepresst. Die Burg ist ihr Ziel. Längst sind aber Robin Hood und seine Gesellen auf die Bäume geklettert. Von oben halten sie Ausschau nach Prinz John und seinem Gefolge. Die Blätter zittern. Doch Prinz John bemerkt es nicht. Stolz reitet er durch den Wald. Als Kutsche und Reiter unter den Bäumen vor der Lichtung ankommen, fallen die Wegelagerer auf sie herunter.

"Sie sollen sich fühlen, als wenn sie in ein Wespennest geraten sind!", ruft Robin Hood. Ein großes Durcheinander entsteht. Lustig, listig, akrobatisch und mit großem Spaß erobert Robin Hood das Geld für die Armen zurück. Er kann es nicht leiden, wenn es ihnen weggenommen wird. Seine Männer rufen: "Wir wollen euch nur ein wenig kitzeln! Wir tun euch ja nicht weh" . Zuerst holen sie den Essensproviant aus der Kutsche. Ein Festgelage mitten im Wald beginnt.

Aber noch viel wichtiger als das Essen ist: Robin Hood nimmt dem Regenten Gold und Silber ab. Es soll dahin wieder zurück, wo es herkam: zu den einfachen Leuten. Das macht Robin Hood so beliebt. Fröhlich kommt er daher. Mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Auch entschieden. Was er einmal als gut erkannt hat, dabei bleibt er. Es gehört sich eben nicht, den Armen ihre Lebensgrundlage zu nehmen. Jeder braucht etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf. Dafür überfällt er Menschen und raubt sie aus. Die dunkle Seite der Gewalt, auch der Gewalt, die Robin Hood selbst anwendet, wird in der Heldensage ausgeblendet.

Immerhin: Robin Hood bereichert sich nicht selbst. Er tut es für andere. Er hat Freude daran, den Armen zu helfen. Das macht ihn mir sympathisch. Den Reichen nehmen, den Armen geben. Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass die Sehnsucht nach Gleichheit in der Natur des Menschen liegt. Sie nennen das "Robin-Hood-Syndrom". Eine Bankerin aus Bonn hat vor einigen Jahren von den Konten reicher Kunden 7,6 Millionen Euro auf die Konten armer Kunden gebucht. Sie hat dabei nichts in die eigene Tasche gesteckt. Zu zwei Jahren Bewährungsstrafe ist sie verurteilt worden. Psychologische Diagnose: Robin-Hood-Syndrom.

Robin Hood – so beeindruckend er war, hatte er doch Grenzen. Für mich hat Jesus von Nazareth diese Grenzen überwunden. Jesus liebte auch die reichen Menschen und war bei ihnen zu Gast. Er ritt nicht auf starken Pferden in die Stadt. Er nahm einen Esel und zog damit in Jerusalem ein. Die Leute haben verstanden: Das ist keiner, der von oben aus den Bäumen springt und die Reichen erschlägt, damit die Armen leben können. Jesus kommt als Friedenskönig. Als der, den wir heute so dringend brauchen. Rosse und Wagen hat er nicht nötig. Jesus wirkt durch seine Worte. Er bringt Frieden in die menschlichen Beziehungen. In ihm leuchtet die Gerechtigkeit Gottes.

Robin Hood will die Armen rächen. Jesus konfrontiert die Reichen mit ihrer Einsamkeit und lässt sie spüren: Als Mensch bist du von Gott angenommen, geschätzt und geliebt. Bei allen Unterschieden: Das Robin-Hood-Syndrom hat Anzeichen, die Jesus gefallen könnten. Fröhlich etwas vom eigenen Wohlstand an Ärmere verschenken. Die Lust an der Gerechtigkeit, die durchaus listig sein kann. Erstaunlich dabei ist: Es tut nicht weh, sondern macht glücklich, etwas von sich selbst zu verschenken. Es braucht immer wieder einen Anstoß dafür. Jemanden, der einen ein wenig kitzelt so wie Robin Hood und seine Gefährten.

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