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Pfingsten und Schawuot: was Christen und Juden verbindet
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Pfingsten und Schawuot: was Christen und Juden verbindet

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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„Fünfzig Tage vergehen, bevor sich aus der Apfelblüte eine Frucht entwickelt, fünfzig Tage wartete das Volk Israel in der Wüste, bevor es die Tora aus der Hand des Herrn empfing." Gestern Abend hat das Jüdische Schawuot-Fest begonnen. Und dieser Satz aus einem Talmud-Traktat beschreibt, was bei diesem Fest gefeiert wird: Es ist ein Erntedankfest, und es erinnert an die 10 Gebote.

Pessach und Pasqua

50 Tage nach dem Pessach-Fest wird das Schawuot-Fest gefeiert. Und da zeigt sich die Verbindung zu unseren christlichen Festen: Ostern steht in Verbindung mit Pessach, und Schawuot in Verbindung mit Pfingsten.

An Pessach und an Schawout zogen zur Zeit Jesu die frommen Juden nach Jerusalem und brachten Opfer im Tempel da. Auch Jesus zog zum Pessach-Fest nach Jerusalem. Und das letzte Abendmahl war nach den Evangelien ein Pessach-Mahl (nach Markus-Evangelium 14,12). In den romanischen Sprachen hat sich das noch in der Bezeichnung für das Osterfest erhalten, zum Beispiel heißt Ostern auf Italienisch Pasqua.

Alle hörten die Jünger in ihrer Sprache reden

Am kommenden Wochenende feiern wir Christinnen und Christen Pfingsten, 50 Tage nach Ostern. In der Bibel wird erzählt: Die Jünger Jesu waren an Pfingsten, auf Hebräisch Schawuot, in Jerusalem versammelt. Und sie wurden vom Gottes Geist gestärkt. So begannen sie frei, ohne Angst, vor allen Leuten von Jesus und seinem Leben zu erzählen. Wegen des jüdischen Wallfahrtsfestes waren Menschen aus allen möglichen Ländern in Jerusalem versammelt. Und sie alle hörten die Jünger in ihrer Sprache reden, so steht es in der Bibel (Apostelgeschichte 2,1-12). Und auch das ist wieder eine Parallele zur jüdischen Tradition: Auch hier wird davon gesprochen, dass Gott die Tora, die 10 Gebote, in allen siebzig Sprachen der Menschheit gesprochen habe (Rabbi Jochanan 250-290).

Gemeinsamkeiten von Christen und Juden erkennen und verstehen

Nicht nur viele Festtage sind sich ähnlich im Judentum und Christentum. Es gibt auch sonst noch viele Gemeinsamkeiten: Der Glaube an den einen Gott, die 10 Gebote und viele andere Texte und Erzählungen in der Bibel. Und eben auch der Wille, von möglichst allen Menschen verstanden zu werden, in ihrer Sprache zu sprechen. Und das bleibt eine Herausforderung bis heute, für Juden- und Christentum. Und vielleicht gelingt ja auch das besser im Dialog der Religionen.

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