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Paralympics
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Paralympics

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von Claudia Rudolff, Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel

Morgen gehen die Paralympics in Rio de Janiero zu Ende. Die Bandbreite der Sportarten reicht bei den Paralympics von Rollstuhltennis bis zu Blindenfußball.
145 Athletinnen und Athleten sind für Deutschland am Start.
Dieses Sportereignis haben wir einem Mann zu verdanken. Er heißt Ludwig Guttmann und gilt als "Vater" der Paralympics.

Im Jahr 1889 wird er geboren und lebt und arbeitet als Arzt in Deutschland. Als die Nationalsozialisten immer mehr Einfluss gewinnen, emigriert Ludwig Guttmann 1939 nach England. Er ist Jude und muss um sein Leben fürchten. In England findet er auch als Arzt eine Anstellung und 1944 übernimmt er in einem Krankenhaus die Abteilung der Querschnittgelähmten. Alle Männer dort auf der Station sind Kriegsverletzte. Die Todesrate von Menschen mit Querschnittslähmung während des 2. Weltkriegs liegt bei ca. 80%. Die wenigen Querschnittgelähmten die überlebten, sind als hoffnungslose „Krüppel“ arbeitsunfähig. Ohne gefragt zu werden, müssen sie für den Rest ihres Lebens in einer Einrichtung für behinderte Menschen bleiben. Ludwig Guttmann will Ihnen zu mehr Selbstständigkeit verhelfen. Er entwickelt eine für damalige Verhältnisse revolutionäre Behandlungsmethode: Er motiviert sie zum Sporttreiben, trotz und mit ihren körperlichen Einschränkungen und Behinderungen. Diese Männer erleben, was schon die Nonne Teresa von Avila im 16. Jh. erkannt hatte: „Tue deinem Körper etwas Gutes. Dann hat deine Seele auch Lust darin zu wohnen“. Durch den Sport entwickeln viele dieser Männer wieder Selbstvertrauen und leben wieder gern -trotz aller körperlichen Einschränkungen.

1948 organisiert Guttmann sogar einen Wettbewerb in London. Dieser geht in die Geschichte als die "Spiele der Gelähmten" ein. 1960 finden dann schon mit größerer Beteiligung "Goodmans-Spiele" in Rom statt - gleich im Anschluss an die Olympischen Spiele. 1966 wird Ludwig Goodman zum "Sir" ernannt und so für seine Verdienste gewürdigt. Er stirbt 1980.

Heute ist es selbstverständlich, dass olympische Spiele und die Paralympics am gleichen Ort stattfinden - so wie jetzt in Rio.

Wir verdanken Ludwig Guttmann also nicht nur ein großartiges Sportereignis. Er erinnert mich daran, dass Gott mich geschaffen hat als Menschen mit Leib und Seele. Beides hängt zusammen. In der Bibel heißt es sogar: Ein respektvoller Umgang mit dem Körper, tut nicht nur der Seele gut. Er ist auch ein Ausdruck, Gott zu loben: Preist Gott, den Schöpfer, mit eurem Leib (1.Kor 6, 20).

Deshalb achte ich nicht nur darauf, was meiner Seele gut tut, sondern auch meinem Körper. Soweit mir das möglich ist, werde ich ihn durch Sport stärken und manchmal ihm auch einfach Ruhe gönnen.

Daran aber will ich jeden Tag denken: „Tue deinem Körper etwas Gutes. Dann hat deine Seele auch Lust darin zu wohnen“.

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