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Mein Lieblingsbuch

Mein Lieblingsbuch

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Heute Abend um kurz vor sieben Uhr wird in Frankfurt der „Deutsche Buchpreis“ bekannt gegeben. Ich bin mal gespannt. Wie jedes Jahr! Der deutschsprachige „Roman des Jahres“ wird ausgezeichnet. Ende August gab es die „Longlist“ mit zwanzig preiswürdigen Büchern und einen Monat später die „Shortlist“: Sechs Bücher sind noch im Rennen.

Wird der Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“ – ein Drama über Sehnsüchte, Gerede und Verwandtschaft, gewinnen? Oder vielleicht „Die Welt im Rücken“ – über einen Menschen mit manischer Depression – den gut dotierten Preis? Ich bin jedes Jahr neugierig dabei und habe natürlich auch so meinen eigenen Tipp. Wenn die erste lange Liste mit den zwanzig Buch-Vorschlägen raus ist, dann gehe ich in meine Buchhandlung und stöbere in einigen Büchern. Das mache ich seit 12 Jahren so. Wenn ich gedanklich die Bücher gegeneinander abwäge, mich in manches Buch einlese, manchmal auch festlese – oder mich daran reibe, dann denke ich an mein Lieblingsbuch für einen Buchpreis. Es wird ihn aber nie gewinnen, es ist nicht einmal nominiert. Kitschig, würde man heute sagen. Schön bunt, politisch inkorrekt, veraltet.

Es ist meine abgegriffene Kinderbibel aus den 60er Jahren. Mir ist sie teuer. Meine Mutter hat mir anfangs daraus Jesus-Geschichten vorgelesen – und ich habe mir währenddessen die Bilder angeguckt. Tatsächlich schön bunt. Mit meinen Kinderfingern bin ich die Bilder entlang gefahren. Habe Jesus berührt. Die Jünger. Die Kinder, die in diese Kinderbibel hinein gemalt waren. Manche Jesusgeschichten konnte ich dann später auswendig erzählen. Jesus – Geschichten: wie er Menschen annimmt, die anders sind. Wie er Menschen neue Wege und Chancen eröffnet. Wie er Menschen Nähe und Liebe schenkt.

Egal in welcher Stimmung ich war, auch nach manch schlechter Schulnote oder manchem Streit. Die Kinderbibel hat mich immer getröstet. Mich geborgen. Mich von manchem schlechten Gedanken, von manchem traurigen Gefühl befreit. Ich konnte sie aus dem Regal nehmen und war gleich wieder neu in den biblischen Geschichten drin. Heute ist dieses Buch abgegrabbelt, sieht etwas schäbig aus. Aber ich hätte es für jeden Buchpreis vorgeschlagen.

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