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Lotte Specht und die Frauen von Maria 2.0

Lotte Specht und die Frauen von Maria 2.0

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Pastoralreferentin im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt
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Lotte Specht aus dem Frankfurter Arbeiterviertel Gallus war eine taffe junge Frau – und sie hatte eine Leidenschaft: Fußballspielen. Das war Anfang 1930.

In anderen Ländern war Damenfußball schon bekannt, in wenigen deutschen Städten hatten sich innerhalb von Männerfußballvereinen bereits kleine Damenmannschaften gebildet… aber Frauen-Fußballvereine, die gab es noch nicht. Und so einen wollte die 18jährige Lotte in Frankfurt gründen. Dafür suchte sie per Annonce in der Zeitung nach Mitspielerinnen und Mitstreiterinnen. Mit 35 anderen Frauen gründete Lotte Specht dann ganz offiziell den 1. DDFC, den. 1. Deutschen Damenfußballclub.

Doch die Geschichte ging schnell zu Ende, schon im Herbst 1931 löste sich der Verein wieder auf. Lotte Specht selbst erklärte das so: „Und weil auch die Zeitungen so gemein zu uns waren, haben einige Eltern den Mädchen das Fußballspielen verboten. Mit der Zeit wurden wir immer weniger und nach einem Jahr, tja, da war er aus, der Traum.“

Auch der Deutsche Fußballbund, wollte den Verein damals nicht aufnehmen, und ein paar Jahre später, 1936, als Hitler an der Macht war, ließ der DFB in einer Pressemitteilung verlauten: Der Fußball ist mit der Würde und dem Wesen der Frau unvereinbar.

Es war ein langer Weg bis zu einem solchen Tag wie heute, denn heute Abend spielt die deutsche Frauen-Nationalelf in Frankreich gegen die von Südafrika. Wir sind mittendrin in der Frauen-Fußball-WM 2019.

Lotte Specht ist ziemlich alt geworden, 2002 ist sie hochbetagt gestorben, drei Frauenfußball-Weltmeisterschaften konnten sie noch miterleben.

Als ich den Satz las: Fußball ist mit dem Wesen der Frau unvereinbar, da ploppten  in meinem Kopf noch ganz andere Bilder auf: So ähnliche Sätze haben viele Frauen jahrzehntelang gehört, wenn sie gewagt haben, zu fordern: In der katholischen Kirche sollte es doch Priesterinnen und Diakoninnen geben.

Spätestens seit den 70er Jahren gibt es solche Stimmen. Und sie werden lauter. Vor wenigen Wochen haben viele katholische Frauen unter dem Titel Maria 2.0 vor den Kirchen demonstriert. Für eine Öffnung der katholischen Kirche, für die Gleichberechtigung von Männer und Frauen, auch im Zugang zu den kirchlichen Ämtern.

Vielleicht wird es uns katholischen Frauen, die wir Veränderung wollen, ja mal so gehen wie Lotte Specht: Vielleicht werden wir einmal erleben, dass allen Widerständen zum Trotz der Traum doch Wirklichkeit wird. Ich würde es mir wünschen.

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