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Gott befohlen
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Gott befohlen

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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Sandra ruft aus dem Arbeitszimmer nach Jan, ihrem Sohn: "Jan, komm mal schnell, mein Computer macht wieder, was er will!" Keine Antwort. "Jan, komm doch mal." Weitere Rufe verhallen. "Ist er wieder gegangen, ohne was zu sagen", brummelt die Mutter vor sich hin. Sandra verzieht ärgerlich das Gesicht. Warum geht er einfach so. Es wäre nett, wenn er sich verabschieden würde, denkt sie sich. Kostet den Jungen doch wirklich nichts.

Einige Zeit später steckt Jan den Kopf zur Tür herein. Sandra hat ihr Problem am Rechner da schon selber gelöst. "Ach, da bist du ja!" Sie fragt ihren 17-Jährigen: "Warum bist du einfach so, ohne Gruß, gegangen? Sag mir doch einfach, wenn du gehst. Dann wissen wir voneinander", meint sie. "Du brauchst mir nur kurz Bescheid zu sagen - dass du gehst und wann Du ungefähr wiederkommst. Das reicht mir schon. Ich will dich gar nicht kontrollieren", sagt sie. Und sie schiebt hinterher: "Jeder Abschied könnte der letzte sein. Deswegen gebe ich dir gern mein "Tschüss" mit auf den Weg." Jan schaut seine Mutter an: "Meinetwegen, Mama, wenn es dir so wichtig ist. Ich versuche, daran zu denken."

Auch die Bibel weiß, wie wichtig es ist, sich voneinander zu verabschieden. Jeder Abschied, und sei er noch so kurz, könnte der letzte sein. Manchmal weiß ich sogar, dass das der Fall ist. So geht es auch dem Apostel Paulus, der viele Gemeinden gegründet und bereist hat. Ihm ist klar, dass er die Christen in Ephesus, die ihm so sehr ans Herz gewachsen sind, nicht mehr wiedersehen wird. An einem anderen Ort warten neue Aufgaben auf ihn. Er will weiterziehen. Er hat seine lange Reise noch nicht beendet. Da ruft er einige aus der Gemeinde zusammen und erklärt ihnen die Lage:

Ich möchte mich von euch verabschieden und werde nicht zurückkommen. Drei Jahre lang habe ich bei euch gelebt. Nun zieht es mich weiter nach Jerusalem. Auch dort warten Leute auf mich, denen ich erzählen möchte, dass Gott freundlich zu uns Menschen ist. Dass wir unser Leben Gott anvertrauen können. Ihr wisst, dass mir das besonders wichtig ist. Dieses Vertrauen möchte ich euch weitergeben. Wenn ich jetzt gehe, vertraue ich euch Gott und seiner Gnade an. Gott bleibe bei euch. Mit diesem Wunsch geht Paulus zum Hafen, wo sein Schiff vor Anker liegt. Er zieht weiter.

Wenn Sandra ihrem Sohn ein Tschüss mit auf den Weg geben will, dann versteckt sich darin die Geschichte von Paulus. Was er damals seiner Gemeinde sagt, gilt auch heute noch. In jedem Abschiedswort vertraue ich mich und den anderen Gottes Gnade an. Tschüss! Adieu! Und: Gott befohlen!

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