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Die Gedanken sind frei (zugänglich)
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Die Gedanken sind frei (zugänglich)

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Im Schnelltippen bin ich eine Niete. Vielleicht bin ich zu lange ohne Smartphone ausgekommen, oder meine Daumen sind einfach zu dick. Jetzt ist Abhilfe in Sicht: Um eine Textnachricht zu tippen, wird man vielleicht bald noch nicht einmal das Smartphone aus der Hosentasche holen müssen. Das sagt Facebook-Managerin Regina Dugan. Sie will eine Technologie entwickeln lassen, mit der Menschen direkt aus dem Gehirn heraus Worte in Computer schreiben können, ganz ohne Daumen.

So utopisch ist das gar nicht. Es gibt Menschen, die gelähmt sind und bei vollem Bewusstsein, aber nicht mehr sprechen können. Für sie hat ein deutscher Wissenschaftler eine Art Kopfhaube erfunden, die die Gedanken der Patienten lesen kann. So können sie wieder Ja und Nein \"sagen\". Eine wunderbare Hilfe. So etwa soll das auch bei Facebook gehen. Aber wohl mit Hintergedanken.

Mein Vater sagt oft: „Es kann Dir ja niemand hinter die Stirn schauen. Die Gedanken sind frei.“ Das könnte sich bald ändern. Sind meine Gedanken bald nicht mehr frei, sondern eher frei zugänglich? Facebook beruhigt: man will nur die Worte erkennen, die ich ohnehin gerade an mein Sprachsystem übertragen möchte. Mich beruhigt das nicht besonders. Ich schreibe ja auch selber nicht alles auf, was mir so durch den Kopf geht.

Ein Teil der Freiheit ist es doch, etwas zu denken, ohne es auch gleich zu sagen. Ob sich dann vielleicht bald jemand in mein Gehirn einhacken kann? Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten … Lange bevor Hoffman von Fallersleben das bekannte Freiheitslied aufgeschrieben hat, hat ein Psalmbeter in der Bibel schon mit Gott darüber gesprochen:

„Meine Gedanken erkennst du von fern …Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, da weißt du schon, was ich sagen will,“ heißt es im Psalm 139. Das klingt vertrauensvoll. Im selben Psalm lobt der Beter Gott dafür, dass er schützend seine Hand über ihn hält und ihn behütet, egal, wo er ist. Mit seinem Leben und mit all seinen Gedanken weiß er sich gut bei Gott aufgehoben. Mir geht das ähnlich. Den geschäftstüchtigen Internet-Giganten kann und will ich so ein Vertrauen vorläufig nicht schenken. Gott schon.
 

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