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Die Eltern ehren - aber wie?
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Die Eltern ehren - aber wie?

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Die Geschichte des achtjährigen chinesischen Jungen Wu Meng klingt erstaunlich. In Sommernächten zog er sich das Hemd aus und blieb regungslos, wenn sich Mückenschwärme auf seinem Oberkörper niederließen und stachen. Die Blutsauger sollten seine Eltern neben ihm nicht belästigen. Vor dem Aufstehen zog er das Hemd wieder an, damit sie nichts davon mitbekommen. Viele Chinesen kennen Wu Mengs Geschichte. Sie klingt wie ein Märchen aus längst vergangener Zeit. Denn im modernen China fordert die Globalisierung ihren Tribut. Erwachsene Kinder sind wegen der Arbeit Tausende Kilometer weit weg von ihrem Elternhaus. Vor einigen Jahren zog die Regierung die Notbremse. Der Nachwuchs ist nun per Gesetz verpflichtet, Mama und Papa zu besuchen, zumindest Kontakt zu halten. Wer das nicht tut, den können Eltern verklagen.

„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren", heißt es in den zehn Geboten der Bibel, dem Wertekodex unserer Gesellschaft. Was bedeutet das heute? Kann man Töchtern und Söhnen vorschreiben, sich um ihre Eltern zu kümmern? Ein Gesetz verpflichtet sie hierzulande nicht dazu. Höchstens ihr Gewissen. Es gibt Kinder, die gerne mit ihren Eltern zusammen sind und sich Zeit nehmen für sie - so wie diese sich früher Zeit genommen haben für ihre Kinder.

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Ein gutes Verhältnis entwickelt sich in den Jahren des Zusammenlebens. Das kann durchaus mal ruckelig sein. In der Pubertät sollen Eltern ja besonders schwierig sein, sagen die Kinder. Die Erziehungsberechtigten sehen das naturgemäß anders. Da müssen alle Beteiligten durch, so schwer es auch fallen mag - beim Dauer-Starren aufs Smartphone, bei ohrenbetäubenden Techno-Beats, vor Wut geknallten Türen und Eltern, die partout nicht einsehen wollen, dass Schule sowieso nichts bringt.

Wer durchhält, wird belohnt. Ein schönes Beispiel dafür erzählt eine Freundin. Ihre Söhne schleppen Kisten beim Umzug ihrer Eltern. „Was kann ich euch Gutes tun?", fragt sie, als die beiden erschöpft am Tisch sitzen. „Hast du doch schon getan", antwortet der Ältere. „Was denn?", fragt sie etwas ratlos. „Du hast uns gut erzogen!" Sein Bruder nickt. Sie fühlt sich geehrt, sagt sie. Und man hört, wie sehr sie sich über dieses Lob freut.

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