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Dafür gibt es Mitgefühl
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Dafür gibt es Mitgefühl

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Es ist eine Tragödie, anders kann man es nicht nennen. In einem Ort im Odenwald geschieht sie vorige Woche: Der Hund der Familie beißt das Baby der Familie, sieben Monate alt. Das Kind stirbt im Krankenhaus. Nichts hat darauf hingedeutet, heißt es. Die Tragödie geschieht plötzlich. Und zerstört viele Leben. Was werden sich die Eltern des Kindes für Vorwürfe machen.
Ich kann darüber nicht die Achseln zucken. Ich darf auch nicht sagen: selbst schuld. So einfach ist keine Tragödie. Man hat es ja nicht kommen sehen, konnte womöglich nichts ahnen. Ich kenne mich mit Hunden nicht aus; ich weiß nichts vom Wesen sogenannter Kampfhunde. Nicht jeder muss kämpfen; einige vielleicht plötzlich und unerwartet, wer weiß das schon. Wer weiß das schon bei Menschen. Eine Tragödie ist, wenn keiner schuldig ist und alle schuldig werden. Furchtbar.
Was am wenigsten hilft, sind Vorwürfe. Schuld braucht keine Vorwürfe, die macht man sich selber genug. Man sieht sie nicht immer; dafür wühlen sie in der Seele, fühlbar. Oft lebenslang. Was die Eltern jetzt brauchen, ist Mitgefühl. Auch meines, von weither. Ich denke an sie; versuche, mit ihnen zu fühlen, ich bete für sie. Sie werden sich Vorwürfe machen, die ich mir kaum vorstellen kann, tonnenschwere. Ihr Leben wird nie mehr sein wie vordem. Manche von uns kennen ähnliche Ereignisse. Dafür gibt es Mitgefühl. Und nochmal Mitgefühl. Alles andere wäre verheerend und zerstörte noch mehr. Wen seine Seele plagt, braucht mein Empfinden für Leid. Das tröstet uns beide.

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