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25 Jahre "Friedenslicht aus Bethlehem"

25 Jahre "Friedenslicht aus Bethlehem"

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz
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Sie ist zart. Und auch ziemlich empfindlich. Manchmal reicht ein kleiner Windhauch. Dann erlischt eine Kerzenflamme ganz schnell, und nur noch ein bisschen Rauch bleibt zurück. Aber wenn sie richtig geschützt wird: Dann kann sie einen Weg von 3.000 Kilometern zurücklegen. Dann kann sie sogar um die ganze Welt reisen.

So ist das auch mit dem „Friedenslicht aus Bethlehem“. Seit vielen Jahren schon reist im Dezember ein Kind aus Österreich zur Geburtsgrotte nach Bethlehem. An den Ort, an dem Jesus Christus geboren wurde. Dort zündet das Kind eine Kerze an und bringt sie mit dem Flugzeug nach Wien. Dorthin kommen Kinder und Jugendliche aus aller Welt und zünden ihrerseits Kerzen an diesem „Friedenslicht von Bethlehem“ an. Um es dann in ihre Heimat zu bringen. Vor 25 Jahren kam das „Friedenslicht“ zum ersten Mal nach Deutschland. Und seit gestern brennt es auch in meiner Pfarrgemeinde in Wiesbaden. Wir haben uns gestern dort unsere Kerze angezündet. Und jetzt leuchtet die Kerzenflamme in unserem Wohnzimmer. Neben dem Adventskranz, geschützt in einer Laterne.

Diese Kerzenflamme in unserem Wohnzimmer: Sie ist mir mittlerweile so wichtig wie Weihnachtsbaum und Krippe. Denn sie erinnert mich an die Botschaft von Weihnachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ singen die Engel auf dem Feld. Sie erinnert mich daran: auch mit meiner Familie, mit meinen Freunden, mit meinen Arbeitskollegen soll ich friedlich leben. Und ich soll mich einsetzen für ein friedliches Miteinander der Menschen und Religionen. Dieses Jahr steht die Aktion „Friedenslicht von Bethlehem“ unter dem Motto „Frieden braucht Vielfalt – zusammen für eine tolerante Gesellschaft“.

Vielleicht fragt sich jetzt mancher: Was soll so eine Lichteraktion schon bringen? Was soll eine kleine Kerze ausrichten in unserer manches Mal ziemlich brutalen Welt? Mit einer Kerze kann ich doch keinen Frieden herbei zaubern? Oder einen Krieg verhindern? Ja, das stimmt schon. Kerzen können keinen Frieden machen. Natürlich darf es auch nicht beim Kerzenanzünden bleiben. Aber ich denke da an die Menschen in der ehemaligen DDR. Sie haben sich in den Kirchen versammelt, haben gebetet und Kerzen entzündet. Und sind dann auf die Straße raus, haben demonstriert, und letztlich eine Mauer zum Einsturz gebracht.

Mir ist bewusst: Die Dunkelheit von Streit und Einsamkeit gibt es überall auf der Welt, auch bei uns. Aber: Eine Kerzenflamme kann einen ganzen Raum erhellen und Wärme geben. Und mit ihrem hellen Schein Dunkelheit vertreiben. Und vielleicht kann auch ich als einzelner Mensch, als einzelnes kleines Licht, mehr für den Frieden bewirken, als ich bisweilen denke.

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