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Ich bin zufrieden
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Ich bin zufrieden

Pater Andreas Meyer
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Pater Andreas Meyer

Ich arbeite als Seelsorger in einer Klinik. Vor kurzem bin ich dringend zu einer Patientin gerufen worden. Ich kannte sie schon. Sie war im letzten Jahr oft in der Klinik gewesen, um ihren Krebs behandeln zu lassen. Am Morgen hatten die Ärzte ihr gesagt: es gibt keine Chance zur Behandlung mehr. Der Tumor hatte sich rasend schnell ausgebreitet. Davon hat sie erzählt.

Aber dann kam dieser Satz: „Ich bin zufrieden.“ Damit hatte ich nicht gerechnet. Aus den Begegnungen im letzten Jahr kannte ich sie ganz anders. Sie hatte da wild entschlossen gewirkt, den Tumor zu besiegen. „Nein, ich lass mich nicht unterkriegen.“ Das hat sie immer wieder gesagt. Und sie hat hinzugefügt: „Ich habe noch so viel vor. Mein jüngster Sohn heiratet. Und das fünfte Enkelkind ist im Anmarsch.“

Jetzt, wo es keine Chance mehr gab, hätte ich damit gerechnet, dass sie sich wehrt. „Das darf nicht sein. Das geht gar nicht.“ Solche Sätze habe ich erwartet. Aber sie sagt: „Ich bin zufrieden.“ Dabei ist ihre Stimme ist fest und klar. Sie erzählt von den letzten Wochen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Vor allem von ihrem Enkelkind, das vor drei Wochen geboren wurde. Und dabei strahlt sie übers ganze Gesicht.
„Wenn es nun sein soll, dann ist es so“, fügt sie noch hinzu. Und ich spüre: Diesen Satz sagt sie mit voller Überzeugung. Dann spricht sie über ihre Wünsche, die sie noch hat: dass sie nicht allein sein will auf ihrem letzten Wegstück, dass die Ärzte ihre Schmerzen kontrollieren sollen. Und sie sagt auch das noch: „Ich vertraue auf Gott. Er wird mich führen und mich in Empfang nehmen.“

Mich beeindrucken die Sätze dieser sterbenskranken Frau. Aber vor allem auch dieser erste: Ich bin zufrieden. Dass sie so etwas sagen kann, ist nicht einfach so gekommen. Sie hat manchen Kampf gekämpft bis zu diesem Moment. Aber sie wusste, dass liebe Menschen sie unterstützen. Und sie war sich sicher: Gott geht meinen Weg mit mir. Ich spüre, so hat sie zum Frieden gefunden. Und ich werde von diesem Frieden beschenkt.

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