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Verständnis
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Verständnis

Ein Beitrag von

Sandra Matz,

Pfarrerin, Evangelisches Gemeindenetz an der Nördlichen Bergstraße, Alsbach

An diesem Wochenende feiern die christlichen Kirchen Geburtstag. Die Bibel erzählt, dass damals an Pfingsten ein neuer Geist zu den ersten Christen gekommen ist. Und auf einmal konnten sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Sprachen gegenseitig verstehen. Manchmal gelingt das ja nicht einmal, wenn zwei Menschen die eigentlich gleiche Sprache sprechen. Besonders traurig ist das dann, wenn es mal eine Zeit gab, in der sich ausgerechnet diese beiden vielleicht sogar einmal ohne Worte verstanden haben. Warum verstehen sie sich nicht mehr?

Ein guter Freund hat genau das erlebt. Vor zwei Jahren wurde seine Ehe geschieden. Viel Verletzung und Bitterkeit haben sich seitdem in ihm angestaut. Letzte Woche waren wir zusammen Frühstücken und auf einmal habe ich etwas Anderes in seinen Worten und Gesten wahrgenommen. Sozusagen einen neuen Geist. Er sagte: „Weißt Du, ich glaube nicht, dass meine Ex das damals alles getan hat, um mich zu verletzen. Inzwischen denke ich, sie konnte nicht anders.“ Und dann hielt er einen Moment inne und lächelte ein wenig: „Es ist komisch… Aber dieser Gedanke macht mich irgendwie frei.“

Pfingsten ist das Fest für einen neuen Geist unter Menschen. Ganz nüchtern hat das jemand Kluges mal so ausgedrückt: „Ich verstehe den anderen oft nicht, aber ich kann für sie oder ihn trotzdem Verständnis haben.“ Ich glaube, genau das hat mein Freund erlebt und kann seine Exfrau deshalb sein lassen, wie sie ist. Früher hat er ihr Verhalten verurteilt. Jetzt begegnet er ihr mit Verständnis.

Seit dem Gespräch mit meinem Freund hat das Pfingstfest für mich noch einmal eine völlig neue Bedeutung bekommen: Gottes Geist schenkt noch mehr als Verstehen – nämlich Verständnis. Und das macht frei.

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