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Verkupplungskünste
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Verkupplungskünste

Simone Twents
Ein Beitrag von

Simone Twents,

Referentin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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Corona ist ja eine Zeit, in der viele Menschen ganz schön in der Luft hängen. Wo ganz Vieles ganz unsicher ist. Ich frage mich in dieser unsicheren Zeit: Wie kann ich anderen zeigen: "Hey, da gibt es einen Gott. Auf den kannst du vertrauen und er trägt dich durch schwere Zeiten." Ich glaube, das geht gar nicht einfach so. Ich kann mein Vertrauen auf Gott gar nicht so einfach auf andere übertragen. Das wäre wie Verkuppeln. Das klappt meistens nicht und fühlt sich auch irgendwie für alle Beteiligten doof an. Weil es doch nicht echt ist, sondern irgendwie manipuliert und gemacht.

Auch das, was zwischen Gott und einem anderen Menschen passiert, kann ich nicht einfach herstellen oder machen. Trotzdem bewegt sich zwischen Gott und Mensch viel mehr, als ich vielleicht ahne oder mir ausmale. In aller Freiheit. Die Wege, auf die ich das unterstützen kann, sehe ich in zwei Richtungen: meine eigene Liebe zu Gott warm und lebendig zu halten. Und meine Beziehungen und Freundschaften zu den Menschen um mich herum warm und lebendig zu halten. Dann entsteht ein Raum, in dem zwischen Gott und Menschen ganz viel passieren kann. Nicht muss, aber kann, in aller Freiheit. Mutter Teresa hat mal über sich selbst gesagt: "Früher dachte ich, bekehren zu müssen. Dann habe ich verstanden, dass es darum geht, die Menschen zu lieben. Und die Liebe bekehrt, wenn sie will."

Ein konkretes Beispiel: Ein junger Mann sagte zu einer christlichen Sozialarbeiterin in einer Leipziger Plattenbausiedlung: "Du kennst doch diesen Gott, ich kenne ihn nicht. Kannst du ihm mal von mir erzählen?" Wie könnte der junge Mann einem Gott vertrauen, den er gar nicht kennt? Einem Unbekannten? Aber der junge Leipziger kennt seine Sozialarbeiterin. Ihr vertraut er. Ihre Liebe hat er konkret erfahren. Dieses Beispiel zeigt, was Gott daraus macht, wenn Menschen der Liebe Raum geben. Verkupplungskünste sind dann nicht mehr nötig.

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