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So Gott will und wir leben
Bild: PourquoiPas/Pixabay

So Gott will und wir leben

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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Am liebsten verbringt Hanne ihren Urlaub in Frankreich. Im Norden ist sie schon gewesen und hat die Normandie und die Bretagne bereist. Auch den Süden und die Mittelmeerküste kennt sie gut. Dieses Jahr musste sie ihren Urlaub leider absagen. Das ist ihr schwergefallen. Stattdessen will sie einen Plan umsetzen, den sie schon seit Jahren hegt: Bei ihrem nächsten Urlaub in Frankreich möchte sie die Sprache besser beherrschen. Sie möchte die Menschen besser verstehen und vor allem auch mit ihnen sprechen können.

Da kommt ihr eine Zeitungsanzeige gerade recht, die für einen Sprachkurs in Französisch wirbt. Der Kurs wendet sich an Menschen, die älter als 50 Jahre alt sind. Das freut Hanne. Mit Gleichaltrigen lernt es sich leichter und unkomplizierter.
Hanne ruft die angegebene Telefonnummer an. Sie erfährt, wann der Kurs startet, dass er vormittags stattfindet und wie teuer er ist. Am Ende des Gespräches sagt die freundliche Stimme am Telefon: "Ja, und die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Es kann ja immer etwas sein."

"Es kann ja immer etwas sein." Wie wahr – diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Da habe ich geplant, überlegt, mich auf die Feier gefreut. Als der Festtag da war, lag ich aber krank im Bett. Die Zukunft kann ich planen und habe sie doch nicht in der Hand. Der Philosoph Hartmut Rosa spricht davon, dass der moderne Mensch bestrebt ist, die Welt immer besser beherrschen zu wollen. Er möchte über die Welt verfügen. Auf diesem Weg wird ihm aber das, was ihm begegnet, immer fremder. Die Dinge entziehen sich. Rosa erkennt an, dass das Leben unverfügbar ist. Diese Einsicht findet er wichtig und wertvoll: Erst so bleiben die Dinge lebendig.

In der Sprache des christlichen Glaubens hört sich das so an: "So Gott will und wir leben werden wir dies und das tun."(Jak.4,15). So Gott will und wir leben. Der Philosoph und die Bibel stimmen überein: Ich kann über das Leben nicht verfügen. Es ist immer ein Wechselspiel zwischen dem, was ich beherrschen und erobern kann und dem, was sich mir entzieht. Der Philosoph meint: zum Glück entzieht.

"Es kann ja immer etwas sein." So spricht die freundliche Stimme am Telefon. In alltäglicher Sprache stecken oftmals tiefere Einsichten. Sie sagt etwas darüber aus, wie ich zum Leben stehe und wie ich mich selber in der Welt verstehe.

Die Bibel hat ihre ganz eigene Sichtweise, wenn sie davon erzählt, dass Gott selber mein Leben zusammenhält. Er umfasst das, was ich möchte und das, was mir nicht möglich ist. Ihm vertraue ich mich an. So Gott will und wir leben.

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