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Reparierbar
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Reparierbar

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Davon waren meine Töchter jahrelang überzeugt: Wenn etwas kaputt gegangen ist, das Fahrrad oder ein Spielzeug, dann bringt man es zum Opa. Der schaut sich das an und macht es wieder heil. „Wenn‘s Opa nicht reparieren kann, kann‘s keiner.“

Das steht auf einer Tasse, die sie ihrem Opa vor kurzem augenzwinkernd geschenkt haben. Natürlich wissen sie längst, dass das leider nicht immer stimmt.

Sollbruchstellen werden eingeplant

Immer mehr Alltagsgegenstände sind schon so produziert worden, dass sie nach einer angemessen oder gar einer abgemessenen Zeit kaputt gehen und gar nicht mehr reparieren werden sollen. Kleidungsstücke genauso wie der Staubsauger oder die Küchenmaschine. Was nicht mehr funktioniert, wandert in den Müll.

Neukaufen ist oft billiger als reparieren

Selbst wo etwas reparierbar wäre, wo man es kleben, nähen, oder löten könnte, ist neu kaufen oft billiger als reparieren.

„Schrott lass nach“

Darum sind in den letzten Jahren immer mehr Reparier-Bars und Reparier-Cafés entstanden. Da helfen Fachleute ehrenamtlich all das wiederherzurichten, was nicht vorzeitig weggeworfen werden muss. „Schrott lass nach“. Dies Motto hilft Müll zu vermeiden, es schont die Ressourcen der Schöpfung und es bringt Menschen zusammen. Eine super Sache, finde ich.

Auch im eigenen Leben muss manches wieder heil gemacht werden

Wenn etwas Defektes vor meinen Augen wieder repariert, wieder heil gemacht wird, ist das ein wunderbarer Moment, eine beglückende Erfahrung. Ich denke, reparieren erinnert Menschen - oft unbewusst - daran, dass sie selbst heil sein möchten. In den Bruchstücken einer Vase können sie auch die Fragmente ihres Lebens vor sich liegen sehen, die einmal zusammen etwas Heiles gewesen sind. Auch in ihrem Leben sehen sie, was abgebrochen ist und geheilt werden müsste und das, was manchmal nicht wieder zusammengesetzt und heil gemacht werden kann.

Heilsein ist die Hoffnung des Christentums

Heilsein ist eine große Sehnsucht der Menschen. Es ist der Wunsch, dass das Leben gelingt, der Wunsch gesund zu werden, nicht nur am Körper, sondern auch an Geist und Seele. Dieses Heil für die ganze Schöpfung ist die Hoffnung der Christenheit. 

Ich überlege, was meine erwachsenen Töchter heute auf Opas Tasse schreiben könnten. Vielleicht: „Nicht alles kann repariert werden, aber es wird doch alles heil.“

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