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Posaunenchor im Plattenbau
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Posaunenchor im Plattenbau

Kurt Grützner
Ein Beitrag von Kurt Grützner, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Weihnachten verbringen wir manchmal bei Freunden in den neuen Bundesländern.

Denn das ist – trotz aller kirchenfeindlichen Politik des DDR Regimes - geblieben: Weihnachten wird gefeiert. Es gibt einen Tannenbaum, zuweilen aus Plaste und zusammenklappbar. Weihnachtslieder werden gesungen, durchaus auch christliche. Es wird gemeinsam gegessen und  Beschwerung gibt es auch. Der einzige Unterscheid ist vielleicht, dass hier im Westen doch noch mehr Menschen in die Heiligabend Gottesdienste gehen.

Was mich aber viel mehr beeindruckt hat: Einer der Freunde wusste von einer Tradition noch zur Hochzeit des antikirchlichen DDR-Systems zu berichten. Er selber gehörte gar nicht zur evangelischen Kirchengemeinde, aber im Posaunenchor blies er mit. Und dieser Posaunenchor spielte regelmäßig im Advent im Plattenbau, wo sie damals wohnten. Posaunenchöre sind an sich ja schon gut vernehmbar. Wie wird das wohl im Treppenhaus eines Plattenbaus gewesen sein? Auf jeder dritten Etage stellten sie sich hin und spielten Adventschoräle. Kein Widerstand der Atheisten. Im Gegenteil: Beim „Leise rieselt der Schnee“ waren schon mal Tränen zu sehen, berichtet unsere Freund, auch wenn sie das Christkind, das bald kommt, nicht so recht glauben konnten. Irgendeine Hoffnung, eine tiefe Sehnsucht nach Heil haben die Posaunenklänge offensichtlich doch hervorgeblasen.

Nun weiß man aus Jericho, dass die Posaunen die Stadtmauern zum Einsturz gebracht haben sollen. Soweit ich weiß ist kein Plattenbau damals eingestürzt. Und die Berliner Mauer ist auch nicht wegen der Posaunenchöre gefallen. Eindruck hat ihr Blasen aber wohl doch hinterlassen. Musik geht eben direkt ins Herz. Es ist Verkündigung der frohen Botschaft mit Posaunen.

Ich freue mich über die Posauenenchöre auf unseren Weihnachtsmärkten und danke ihnen für ihren Verkündigungsdienst.

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