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Mit einem Hund zurück ins Leben
GettyImages/Bobbymn

Mit einem Hund zurück ins Leben

Rüdiger Kohl
Ein Beitrag von

Rüdiger Kohl,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt-Bockenheim
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Die junge Frau ist Mitte 20 und wohnt in meinem Stadtteil. Ich kenne sie nicht persönlich. Ich habe bei nebenan.de von ihr gelesen. Das ist ein Nachbarschaftsnetzwerk im Internet. Da hat sie einen Spendenaufruf gepostet.

Spendenaufruf für einen Assistenzhund

Sie schreibt, sie leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Kurz PTBS. Deshalb braucht sie die Hilfe eines Assistenzhundes, der speziell ausgebildet ist. Die Ausbildung eines solchen Hundes ist sehr teuer. Rund 23.000 Euro. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in Deutschland bisher nur bei Blindenhunden, noch nicht wie in Österreich auch bei anderen schweren Erkrankungen[1]. Deshalb hat sie zusammen mit einer Freundin eine Kampagne gestartet. Über ihrer Mitteilung steht: „Zurück ins Leben mit einem Assistenzhund!“

Eine posttraumatischen Belastungsstörung schrängt das Leben stark ein

Die Krankheit schränkt ihr Leben stark ein. Zur Arbeit gehen, Einkäufe erledigen, Hobbys nachgehen, Arzttermine wahrnehmen, in der Stadt bummeln, spazieren, sich mit Freunden treffen: All das ist für Frau alleine kaum möglich. Denn immer wieder kommen bei Menschen mit PTBS plötzlich Flashbacks. Das sind traumatische Erinnerungen, die die Person regelrecht überrollen. Von einem Moment auf den anderen ist sie dann wie ein anderer Mensch. Sie bleibt dann wie angewurzelt stehen, starrt geradeaus, hat Herzrasen und atmet heftig. Sie hat dann keinen Kontakt mehr zur Umwelt.

Assistenzhunde sind eine große Hilfe

In solch einem Moment kann ein Assistenzhund helfen. Er winselt und zupft an der Jacke der Patientin. Solange, bis sie wieder in der Wirklichkeit zurück ist. Er unterbricht schmerzhafte Erinnerungen und hilft dem Menschen, seine innere Balance wiederzufinden.

Oder der Hund durchsucht Räume vor dem Betreten. Passt auf, dass niemand der Person von hinten zu nahekommt. Er geht in dunklen Räumen voraus und beruhigt auf vielfältige Weise. Bei Alpträumen weckt der Hund den Menschen und kann sogar das Licht anmachen.

Solch einen ausgebildeten Hund wünscht sich die Frau in meinem Stadtteil. Mit dem sie eine Beziehung aufbauen kann. Weil er belastbar ist und nicht aggressiv. Und dabei nicht zu sensibel, weil er bei Panik Ruhe bewahren muss.

Wieder am ganz normalem Leben teilhaben

Die junge Frau beeindruckt mich. Sie will sich ihr Leben zurückzuholen und am normalen Leben teilhaben. Dabei sollen ihr sowohl Menschen als auch ein Hund helfen. Das zeigt, wie wertvoll die Beziehung zwischen den Geschöpfen ist. Menschen sind verbunden, aber auch Menschen und Tiere. An einer Stelle in der Bibel heißt es sinngemäß: „Frag doch die Tiere, sie werden ́s dich lehren, da ist ein Band, das alle Geschöpfe miteinander verbindet.“ (Hiob 12,7-10)

Ich wünsche der Frau, dass sie ihr Ziel erreicht. Sie würde sich freuen, wenn andere Menschen sie unterstützen, schreibt sie in ihrem Aufruf. Für mich heißt das: Sie hofft auf das „Band, das alle Geschöpfe miteinander verbindet“.

 

[i]www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/77563/notwendige_tierische_helfer_im_alltag

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